— 10 —
Straußberg u. a. m., theils lehns-, theils pfandweise erwarben. Die Landesherren
wurden durch die Scheu vor dem Ruin ihrer Unterthanen von so
verderblicher Fehdesucht abgehalten, ihre kecken Gegner jedoch kannten solche
Rückfichten nicht.
Zurggraf Friedrich
als königlicher Hauptmann in der Mark.
Konig Siegmund hatte Mannschaft und Städte der Mark entboten, am
1. Mai Vertreter nach Ungarn zu senden, um den Huldigungseid in seine
eignen Hände abzuleisten. Von allen Städten erschienen Rathemitglieder als
Abgeordnete, die Mannschaft jedoch war nur in dem Erbmarschall der Mark,
Caspar Gans, Edlen zu Putlitz, vertreten. Als der König von dieser Deputation
Klagen über den traurigen Zustand des Landes vernommen hatte, und um
Abhülfe der Uebelstände dringend gebeten worden war, erklärte er ihnen, daß
er zwar nicht persönlich in die Mark kommen könnte, da die Reichs= und
Kirchenangelegenheiten seine ganze Thätigkeit in Anspruch nähmen, allein für
einen kräftigen Vertreter seiner Person, und hierdurch für die Wiederherstellung
der Ruhe und Ordnung sorgen wolle. Als diesen seinen Vertreter stellte er der
Deputation den Burggrafen von Nürnberg vor. Am 8. Juli 1411 ist die
Urkunde zu Ofen, wo diese Verhandlungen stattfanden, ausgefertigt, durch welche
der Burggraf zum obersten Verweser und Hauptmann der Mark Brandenburg
ernannt wurde. In diesem Ernennungspatente ist ausdrücklich bemerkt, es seien
durch Kriege, Pfandverleihungen u. v. a. die Einkünfte des Landes so geschmälert,
daß ohne besondere Hülfe die Verwaltung des Landes nicht geführt
werden könne. Wenigstens sei es unbillig, daß der Burggraf außer seiner Mühe
und Arbeit auch sein eigenes Vermögen zusetzen solle. Deshalb wurden ihm
für seine Mühwaltung und Unkosten 100,000 ungarische Gulden verschrieben.
Aus dieser mißverstandenen Bestimmung ist die bisher allgemein angenommene
Angabe entstanden, Burggraf Friedrich sei durch einen Geldvorschuß von 100,000
Gulden Hauptmann der Mark geworden, und durch spätere Nachzahlungen bis
zum Belauf einer Totalsumme von 400,000 Gulden zum vollständigen Besitz
des Markgrafenthums sowie der Kurwürde gelangt; während die darüber ausgefertigten
Urkunden nur eine eventuelle Schadloshaltung für die bei der Verwaltung
der Mark ausgewendeten Anstrengungen und Kosten nachweisen. Wahrscheinlich
war es schon Siegmunds ernstliche Absicht, den treuen Diener mit der
Markgrafschaft Brandenburg zu belohnen, denn er bedurfte bei seinen weit
aussehenden Plänen für Kirche und Reich des Beistandes mächtiger Reichsfürsten.
Friedrich war der Mann, in dem für ihn unter den damaligen Umständen ganz