Abriß der Ortsgeschichte. 1083
dem damaligen Gebiete dieser Reichsprälatur: dem Markte Irsee, dem
Schlößchen Bickenried, den Pfarrdörfern: Pforzen, Rieden, Schliengen, Lauchdorf,
Kettersschwang, Mauerstetten und Eggenthal; den Kirchdörfern Frankenhofen
und Romatsried und mehrern Weilern und Einödhöfen mit 4200
Unterthanen an die Krone Bayern firl.
Zur Zeit des dreißigjährigen Krieges brachte Irsee seine Urkunden und
den auf 100,000 fl. gewertheten Klosterschatz in 10 Weinfässern nach dem
Kloster Kreuzlingen in der Schweiz, wo 1632 bei der Belagerung von Konstanz
der ganze Archivs- und Klosterschatz in die Hände der Schweden siel,
ersterer vernichtet und letzterer geraubt wurde.
Das dem Markte Irsee im Jahre 1837 verliehene Ortswappen besteht
aus zwei in verkehrter Richtung übereinander stehenden weißen Löwen im
rothen Felde. Irsee in schöner und fruchtbarer Lage auf einer mäßigen Anhöhe
eine halbe Stunde von der Wertach, ist gegenwärtig der Sitz eines
Pfarramtes und einer wohleingerichteten und gutgeleiteten Kreis-Irren-Anstalt.
Kemnat, (Groß= und Klein), Pfarrdorf im Landkapitel Oberdorf,
war, wie wir bei Irsee gesehen der Sitz der Erbkämmerer des Herzogthums
Schwaben, begründet von den Hohenstaufen auf der Stätte eines römischen
Castrums. Diesen nach dem Orte und der Herrschaft mit ansehnlichem Gebiete
!) benannten schwädischen Erbkämmerern stand die Advokatie über das
Kloster Irsee zu und kam im Laufe der Jahrhunderte in verschiedene Hände.
Lamendingen, Lamerdingen, Pfarrdorf im Landkapitel Schwabmünchen,
war bischöfliches Lehn und gehörte bis zur Säkularisation 1803 großentheils
dem Collegiatstift St. Peter am Perlach in Augsburg, an welches es von
dem Lehninhaber Swigger von Balzhausen-Schwabeck und dessen Gemahlin
Bertha vergabt und den 29. Juni 1067 von Bischof Embrico bestätigt und
1360 den 7. Septbr. mit der Probstei St. Peter vereinigt wurde. Lauchdorf'),
Pfarrdorf im Landkapitel Baisweil, finden wir das erste Mal im
Jahre 1123 urkundlich genannt. (Siehe S 979 dieses Bandes.) In ten
Ortsbesitz theilten sich hier die Welfen und die Augsburger Kirchenschirmvögte
von Balzhausen = Schwabeck, deren Ministerialen um die Mitte des
12. Jahrhunderts Ortsgüter zur Balzhausen'schen Klosterstiftung Ursberg
vergabten. Auch hatten hier andere Edle Besitzantheile von denen 1174
einige an das Kloster Polling gelangten. Im dreizehnten Jahrhundert kam
auch der Kirchensatz an das Kloster Ursberg. Im Jahre 1467 kamen alle
Besitzungen und Gerechtsame zu Lauchdorf von dem Kloster Ursberg durch
Kauf an das Stift Irsee, in dessen Besitz der Ort bis zur Klosteraufhebung
1803 verblieb. Leder, Markt im Landkapitel Schongau-Leder, hatte ehedem
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1) Jabresbericht des historischen Vereins von Schwaben. Jahr 1837. S. 17—19.
*) Ausführlich behandelt in der Augsburger Biothumsgeschichte des Domkapitulars
Anton Steichele S. 353—56.