— 6 —
Körperschaften (Deutscher Landwirtschaftscat, Landesökonomiekollegium.
Landwirtschaftskammern) zusteht und die das Programm mächtiger
freier Bereinigungen (Bund der Landwirte u. a.) bilden, liegen ebenfalls
größtenteils außerhalb unserer Bestrebungen. Hie und da berühren
wir uns mit den Werken der Inneren Mission, und wo wir
Hand in Hand arbeiten können, tun wir es mit Freuden; aber unsere
mehr durch weltliche Dinge hervorgerufene Arbeit erfordert naturgemäß
eine breitere Grundlage und größere Bewegungsfreiheit als die unter
kirchliche Gesichtspunkte gestellte Tätigkeit.
Die angedeutete Beschränkung, so nachteilig fie auch für eine sostematische
Behandlungsweise sein mag, ermöglicht es andererseits, ein nur
allzulang übersehenes oder doch nicht genügend erkanntes Lebensgebiet
in seiner ganzen großen Mannigfaltigkeit und Bedeutung vor uns aufzurollen.
Die Fülle von Beispielen, mit denen unser Wegweiser für die Einzelarbeit
ausgestattet ist, entspricht durchaus unserer Arbeitsmethode,
nicht durch lange theoretische Erwägungen, Annahmen und
Voraussetzungen, sondern durch Hinweis auf erprobte Einrichtungen
und Erfahrungen aus dem praktischen Leben zu wirken. Welche anfeuernde
und fördernde Macht, welche leicht begreifliche Lehre in dem
lebenswirklichen Vorbilde liegt, dafür haben uns Verwaltungsbeamte,
Geistliche. Gutsbesitzer, Lehrer u. a. ein hundertfältiges Zeugnis
erbracht.
Man wird in dem Wegweiser auch nicht eine Forderung
finden, die nicht durch Beweise aus dem Leben bestätigt
und beleuchtet würde. Zu einem großen Teile sind
es — zu unserer Freude dürfen wir es aussprechen — Muster und
Beispiele, die wir durch unsere mannigfaltigen Anregungen in unserem
Organ „Das Land“ selbst hervorgerufen haben.
Unser Wissen ist über die vereingelten Beispiele hinausgewachsen
zu einer Wohlfahrtswissenschaft, deren Größe und Herrlichkeit
man in weiten Kreisen, selbst in sehr gelehrten. noch gar nicht
zu ahnen scheint?. Die eingehenden Literaturangaben werden
jedermann das Stud#um dieser Wissenschaft ermöglichen, die genauen
Ortsangaben bei geplanten Wohlfsahrtseinrichtungen den Weg auch in
* „Noch jetzt sucht man vergebens nach ausreichender Würdigung
dieses so überaus wichtigen Gebiets in den Hand- und Wörterbüchern
der Volkswirtschaftslehre, in den Lehrplänen unserer Univerfitäten und
landwirtschaftlichen Hochschulen, ganz zu schweigen von den Seminaren
zur Ausbildung von Geistlichen und Lehrern. Kurz, die ländliche Wohlfahrts-
und Heimatpflege ist, im Gegensatz zur städtisch-industriellen
Sozialpolitik, noch nicht „modern geworden."“ Prof. Dr. Ehrenberg
in seiner Schrift „Seimatpolitik“, Rostock 1908.