Die Kämpfe um das Nordufer der Aisne 23
vision wartete vergebens auf den Feind; der war immer noch nicht heran.
Als es Nacht wurde, war der Abergang der Hauptmacht vollzogen, Nachzügler
schlichen über die Brücken — der Feind drängte selbst jetzt noch nicht
nach. Da gab die Nachhut ihre Stellung bei Belleu auf und rückte nach
Soissons. Im Schutgze der Ounkelheit traten OLinsingens und Lochows letzte
Bataillone den Rückzug an, um ihren Posten in der allgemeinen Schlacht.
linie auf dem rechten Lfer einzunehmen.
Nur zwei Bataillone des Grenadierregiments Nr. 12 blieben noch eine
Weile siehen und sicherten die Brücken. Im Morgengrauen ist auch ihre
Aufgabe erfüllt, kein Feind zu sehen, sie rücken ab. Eine einzige Kompagnie
märlischer Grenadiere bleibt in der Vorstadt St. Paul zurück, deckt die
Sprengkommandos und nimmt die letzten Nachzügler auf. Als sie abzieht,
ist es heller Tag geworden.
Jetzt erst fährt auf den Höhen von Belleu französische Artillerie auf
und schießt über die Stade hinweg auf die deutschen Kolonnen, die sich am
Fuße der Steilhöhen von Brégny verlieren. In den ersten Kanonendonner
kracht der Sprengschlag, der die lehte Brücke zerstört; die Verbindung
zwischen den fern ist zerrissen. Im Morgentau funkelt das Gartenland der
Vorstädte von Soissons, das die Deutschen unbesetzt gelassen haben. Als
Hauptmann Bloem als lehzter am Feind die 2. Kompagnie der 12. Grenadiere
und die von ihm gesammelten Versprengten auf der Straße am Nordrand der
Talmulde von Bucy-le-Long nach Chirres führt, sind die Höhen von der
Armee Kluck weithin beseht. Maunomy und French sind nicht mehr im.
stande, sich anzuhängen und die Bereikstellung der 1. Armec zu stören, sondern
müssen den Angriff aus der Grundstellung auf den Höhen des linken
Ufers entwickeln.
Kluck stehe fest. Er fühlt sich dem Stirnangriff trocz der Sparsamkeit
seines Geschücfeuers gewachsen. Der Feuerriegel, den er vor die Ausgänge
von Soissons legen mußte, um dem Feind den Einbruch ins Ailettetal unmöglich
zu machen, zehrt an den geringen Vorräten seiner schweren Artillerie.
Er kenne seine Lage. Ungern, aber befehlsgemäß ist er vom Ourcq auf die
Aisne gewichen. Dort, am Ourcq, war er am 9. September Herr der Lage
und aus dem Umfaßten zum Amfasser geworden; hier, an der Aisne, drohte
ihm am 13. September aufs neue doppelseitige Amfassung, wenn Heeringen
nicht rasch gemig seinen rechten Flügel verlängerte und von St. Quentin über
Nibêcourt und Lavigny vorging. Ooch, gesetzt, die 7. Armee griff am rechten
Flügel der 1. Armee ein und wehrte der bei Carlepont und Ribécourt drohenden
Umfassung durch Mannou### verstärkte Armee, wer half dann gegen
die Umfassung des linken Flügels, den Freuch mit drei Divisionen überflügelte?
Die Masse der 2. Armee war zwischen Berry-au-Bac und Reims im Aufmarsch
begriffen und konnte die Lücke, die wesllich und östlich von Craonne
bestand, nicht schließen. Bülow hatte genug zu tun. Er mußte seine lang-