Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Zweiundzwanzigster Jahrgang. 1894. (22)

—  208  —

8.  5.
ansn  In  dem  bei  der  Amtsstelle  nach  Muster  A  bezw.  A  1  zu  führenden  Konto  gelangen  das  zum
Lager  der  Fabrikationsanlage  abgefertigte  ausländische  Getreide  zur  Anschreibung  und  die  zur  Ausfuhr
gebrachten  Fabrikate  zur  Abschreibung,  und  zwar  erstere  nach  dem  Brutto-,  letztere  nach  dem  Nettogewicht.
Gelreidemengen  derselben  Gattung,  welche  verschiedenen  Zollsätzen  unterliegen,  sind  im  Konto  in
besonderen  Unterabtheilungen  anzuschreiben.
6

g.  6.  .

Außer  vom  Auslande  darf  auch  aus  Zollniederlagen  unter  amtlichem  Verschluß  und  aus
gemischten  Privattransitlägern  ohne  amtlichen  Mitverschluß,  sowie  ausnahmsweise  mit  hauptamtlicher
Genehmigung  (§.  4)  aus  anderen  Mühlen=  oder  Mälzereilagern  ausländisches  Getreide  zum  Lager  der
bezüglichen  Gewerbsanstalt  abgefertigt  werden.  Die  Abfertigung  erfolgt  nach  den  für  die  Abfertigung
von  Waaren  zu  den  Privattransitlägern  ohne  amtlichen  Mitverschluß  bestehenden  allgemeinen  Bestimmungen.
Ausnahmsweise  kann  die  Direktivbehörde  unter  Vorbehalt  des  Widerrufs  genehmigen,  daß  die  Repvision
des  Getreides  durch  eine  Bescheinigung  eines  öffentlich  angestellten  Wiegemeisters  oder  einer  ähnlichen
Person  ersetzt  werde.  Solche  Personen  müssen  jedoch  zuvor  auf  das  Interesse  der  Zollverwaltung  ein  für
allemal  vereidigt  sein.  Eine  derartige  Genehmigung  darf  insbesondere  nur  unter  der  Voraussetzung
ertheilt  werden,  daß  die  kaufmännischen  Bücher  des  Lagerinhabers  über  Zu=  und  Abgang  zum  und  vom
Lager  zuverlässigen  Aufschluß  geben.  Desgleichen  ist  beim  Eisenbahntransport  die  Verwiegung  der
Wagenladungen  auf  der  Geleis-(Centesimal-,  Waage  zulässig;  dabei  ist  es  statthaft,  unter  Beachtung  der
in  dieser  Beziehung  etwa  erlassenen  allgemeinen  Bestimmungen  das  von  der  Eisenbahnverwaltung  festgestellte
  Gewicht  des  Wagens  von  dem  ermittelten  Bruttogewicht  in  Abzug  zu  bringen.  Dem  Ermessen
der  Direktivbehörde  bleibt  ferner  die  Bestimmung  darüber  überlassen,  inwieweit  bei  einzelnen  Arten  des
Verkehrs  auch  Gewichtsangaben  in  den  aiernoseer  s  Schiffskonnossementen  und  anderen
Ladungspapieren  ohne  Gefährdung  des  Zollinteresses  als  Ersatz  der  zollamtlichen  Gewichtsfeststellung
zugelassen  werden  können.

S.  7.
Es  dürfen  nur  in  der  betreffenden  Mühle  oder  Mälzerei  hergestellte  Fabrikate  zur  Ausgangsabfertigung
  gestellt  werden.  Die  Direktivbehörde  kann  anordnen,  daß  Abfertigungen  über  Mengen  unter
2000  Kilogramm  und,  wenn  sich  am  Orte  der  Gewerbsanstalt  eine  Hebestelle  nicht  befindet,  über  Mengen
unter  10  000  Kilogramm  nicht  vorgenommen  werden.
Muhes.  Die  Ausfuhranmeldung  ist  der  Hebestelle  nach  Muster  B  bezw.  B  1  in  2  Exemplaren  einzureichen.

U.

*“  Die  Anmeldung  muß  insbesondere  die  handelsübliche  Benennung  des  Fabrikats  enthalten.  Die  Hebestelle
n  trägt  die  Anmeldung  in  das  nach  Muster  C  bezw.  C1  zu  führende  Anmelderegister  ein  und  veranlaßt
die  spezielle  Revision  nach  den  im  Begleitscheinregulativ  gegebenen  allgemeinen  Bestimmungen.  Behufs
Feststellung  des  Nettogewichts  kann  diejenige  Tara  in  Abrechnung  gebracht  werden,  welche  zum  Zolltarif
für  die  betreffende  Waare  und  Verpackungsart  vorgesehen  ist.  Die  im  §.  6  zugelassenen  Erleichterungen
dürfen  auch  hier  und  zwar  mit  der  Ausdehnung  stattfinden,  daß  auch  die  zollamtliche  Bescheinigung  über
die  Verladung  auf  die  Transportmittel  (Eisenbahnwagen,  Schiff)  durch  eine  Bescheinigung  des  Wiegemeisters
  u.  s.  w.  ersetzt  werden  darf.  Von  einer  Verschlußanlage  kann  abgesehen  werden.

Nach  näherer  Bestimmung  der  Direktivbehörde  kann  von  der  Revision  seitens  der  Hebestelle,
insoweit  letztere  nicht  zugleich  Ausgangsamt  ist,  gänzlich  abgesehen  und  die  Revision  lediglich  dem  letztbezeichneten
  Amte  überlassen  werden.  Diese  Erleichterung  ist  indessen  nur  bei  nachgewiesenem  dringenden
Bedürfniß  und  unter  der  Voraussetzung  zuzulassen,  daß  die  kaufmännischen  Bücher  des  Lagerinhabers
über  den  Geschäftsverkehr  desselben  zuverlässigen  Aufschluß  geben,  auch  rücksichtlich  der  Zollsicherheit
Bedenken  nicht  bestehen.

Bezüglich  der  Behandlung  der  Sendungen  während  des  Transports  finden  die  8§.5  23  bis  30
des  Begleitscheinregulativs  analoge  Anwendung.

Binnen  der  von  der  Hebestelle  zu  bestimmenden  Frist  sind  die  auszuführenden  Fabrikate  unter
Vorlegung  des  dem  Anmelder  zu  diesem  Zweck  von  dem  Anmeldeamt  auszuhängenden  Unikats  der
Anmeldung  dem  Ausgangsamte  zu  gestellen.  Hat  seitens  der  Hebestelle  eine  Revision  nicht  stattgefunden,
so  sind  dem  Ausgangsamt  zugleich  die  Transportpapiere  vorzulegen.  Dieses  Amt  hat  die  Revision  nach
den  Bestimmungen  des  Begleitscheinregulativs  vorzunehmen  und  die  Anmeldung  mit  der  Ausgangsbescheinigung
  dem  Anmeldeamt  zurückzusenden,  auch  dem  Anmelder  bezw.  Waarenführer  auf  Wunsch  eine
Bescheinigung  über  die  Abgabe  der  Anmeldung  und  die  bewirkte  Ausfuhr  der  ihrer  Menge  nach  anzu-