Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

ANummer  178

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durch  Engagement  von  Hilfskräften  nur  auf  Ta-Prsgeld
  und  Widerru#.Es  könnte  dies  auf  verindliche

  Weise  vielleicht  in  der  Form  geschehen.
daß  der  Angestellte  für  die  ganze  Dauer  seiner
Einberusung  beurlanbt  wird.  wenn  möglich  unter
  Fortbezug  eines  kleinen  Teiles  seiner  Bezüge,
wenn  nicht,  dann  ganz  ohne  Entgelt.  Auf  diese
Weise  würde  der  Arbeitnehmer  wenigstens  nicht
aus  seinem  Dienstverhältnisse  ausschriden  und  der
seinerzeitigen  unmittelbaren  Wiederaufnahme  seines
  Dienstes  kein  Hindernis  entgegenstehen.

Wenn  jemals  den  Arbeitgebern  Gelegenheit
gegeben  war,  für  ihre  Angestellten  soziales  Empfinden
  zu  zeigen,  dann  ist  es  beim  Ausbruch
rines  Krieges  der  Fall.  Hier  können  sie  je  nach
Möglichkeit  freiwillig  tun.  wozu  sie  im  Frieden
die  Staatsgewalt  zwingt,  hier  können  sie  auf  die
schönste  Weise  denen  berechtigten  Dank  abstatten,
die  zur  Verteidigung  der  Guter  der  Arbeilgeber
ihr.  Leben  darbieten.

 

Bekanntmachung.

Durch  Allerhöchste  Verordnung  rom  31.
Juli  1914  ist  jür  Bayern  der  Krieogemitano
eitlärt  worden.

Mit  Bezug  hieeuf  wird  folgende  Anordnung
getrosfsen:

Alle  Fremden,  die  sich  über  den  Zmeki
ihres  Ausenthaltes  nicht  gehörig  ausweisen  können
  öder  sich  lästig  machen,  haben  auf  Aufsforderung
  der  Distriktspolizeibehörden  dor
Gebiet  des  Deutschen  Reiches  und  zwmar  bis
auf  weiteres  über  Lindau  binne  254
Stunden  zu  verlassen.

Muuchen  den  2.  Angust  1914.

Der  Komman  dierende  (Geuera!  desr
1.  Armeelorps.
ges.  v.  Tylander.
General  der  Infanterie.

 

Die  Sparkassengelder.
Berlin,  2.  Ang.

Ueber  die  Sicherheit  der  Sparlassiugelder
lursioren  anscheinend  nock  Bejürchtungen  daß
der  Stlaat  oder  die  Militärverwallung  die
Aus##ahlung  der  Sparlassengelder  bei  den
Ussullichen  Sparlassen  verbieten  werde.  wie  in
KXtankeich,  um  sie  zu  Mobilmachungeimecken
zu  verwenden.  In  Frankreich  sind  die  öfient
lichen  Sparlassen  Staatseinrichtungen,  der
Staat  hat  über  sie  freie  Verfügung  In  Pren
sen  und  Deutschland  sind  dagegen  die:  Spailossen
  Einrichlungen  der  Kommunen  und
Städte,  der  Kreise,  Landgemeinden  usw.  Der
Staat  ist  ganz  außerstande,  diese  Gelder  den
Kommunen  sortzunehmen  und  für  sich  zu  verwenden.
  Demgemäß  ist  es  für  jeden  Einschtioen
  verständlich  und  in  der  amtlichen  döffentlichen
  Bekanntmachung  des  Minisicciums
des  Innern  vom  31.  Juli  c.  gesagt,  daß  die
Eirnogen  bei  den  öffentlichen  Sparlassen  als
A#uteigentum  auch  gegen  Zugriffe  des  Stan
4  uusc  der  feindlichen  Macht  geschützt  sind.
Wie  an  die  Kommunen  teinerlei  Verbo#  ergangen
  sind,  noch  erge#r#en  werten,  mit  der  Aus
zahlung  von  Spariassengeldern  zurückzuhalten,
so  wird  und  lann,  wie  uns  das  Ministerium  des
Onnein  mitteill,  der  Staat  oder  die  Mililärverwaitung
  unter  leinen  Umständen  diese  Grlder
  für  Kriegs:wecke  angreifen.  Es  bleibt  da:
bei,  daß  es  leine  sicherere  Aufkewahrung  der
Spargelder  gibt  als  bei  den  öffentlichen  Sparlassei.
  Wer  sein  Geld  nicht  verlieren  will,
lebe  es  dort  nicht  ab,  sondern  trage  alles
Geld,  was  er  nicht  nötig  braucht,  en  de  öffentlichen
  Sparkassem

Eine  hochherzige  Spende.
Frankfurt,  J.  Aug.
Eine  Franlsurter  Mülhlenfirma  hat  sich  bereit
  erllärt,  dem  Magistrat  der  Sladt  Frankfurt
a.  M.  400  000  bis  600  000  Pfund  Weizenmehl
zum  Preise  von  20  Pfg.  pro  Pfund  für  das
Wublilum  zur  Versügung  zu  stellen.  Da  sonsi
det  Preis  30  Pfg.  und  noch  mehr  beträgt.
lönnte  durch  dieses  Vorgeben  der  Verteuerung
dieses  Nahrungemittels  entgegengearheitet  werden.
  Nachdem  ein  großer  Teil  des  Publilums
sich  bereite  mit  Mehl  versorgt  hat,  diese  übertriebene
  Kauflust  hat  übrigens  zur  Preissteigetung
  beigetragen  dürfte  jenes  große  Quantum
  zur  Versorgung  des  Privatpublikums  der
Stadt  Frankfurt  für  mehrere  Wochen  ausrleichend
  sein  Wenn  andere  Mühlen,  was  durchaus
  wünschenswert  ist,  diesem  lobenswerten  Beisriel
  folgen  und  gleichfalls  billiges  Mehl  bereitstellen,
  ist  für  einige  Zeit  die  Meblkalamität
  belloben.  Später,  wenn  der  erste  Sturma#drang
  überw.  u#2en  (  in  m#rd,  dürfte  von  selbit
ein  Herabgehen  des  Mehlpreises  eintreten.

Hünchener  Neulgleilen.
Mänchen,  3.  Aug.  Wie  in  den  Kriegsjahren
1813,  1800  und  1870,  ist  auch  in  den  gegenwärtigen
  ernsten  Zeiten  an  eine  Abhaltung  des

 

 

E

Münchner  Oktoberfestes  nicht  zu  denken.  Das
Oktoberfest-Bauburcau,  das  bereits  seinen  Standort
  auf  der  Theresienwiese  ausgeschlagen.  hatte,
hat  seine  Tätigkeit  schon  eingestellt,  die  Bauten
für  die  Schießstände  sind  sofort  nach  Eintreten
der  Mobilmachung  unterbrochen  worden.  Die

offizielle  Abfage  des  Festes  ist  in  nächster  Zeit

zu  erwarten.

U#yerisches  Oberland.

Bad  Aibling,  3.  August.  Die  Freiwillige
Sanitätskolonne  Aibling  hielt  gestern  eine
Hauplübung  ab.  Acht  Mann  meldeten  sich  freiwillig
  für  den  Kriegsdienst.

Bad  Aibling,  3.  Aug.  Den  K.  Lokalschulinspektionen
  wurde  die  sofortige  Schließung  der
Schulen  aufgetragen,  damit  diese  Ränme  für
öffentliche  Zwecke  verfügbar  werden.

Bruckmühl,  3.  Aug.  Gestern  wurde  ein  der
Pferdemusterungskommission  in  Kirchdorf  verdächtiger
  Russe  festgenommen  und  hieher  in
Polizeiarrest  verbracht.  Heute  wurde  er  nach
Bad  Aibling  ins  Gefängnis  überführt.

Hausham,  3.  Aug.  Gestern  war  beim  Bergwerk
  eine  Feierschicht  angesetzt.  Nur  die  Sortierung
  und  Verladung  ist  in  Betrieb,  wurde
aber  um  8  Uhr  vormittags  auch  zum  Teil  schon
wieder  eingestellt.

Schlierfsee,  3.  Aug.  Der  erzbischöfliche  Geistliche
  Rat,  Dekan  und  Pfarrer  Dominikus  Maier
beging  am  4.  August  den  80.  Geburtstag.
Delan  Maier,  der  seit  30  Jahren  der  Pfarrei
Schliersee  als  Seelsorger  vorsteht,  erfreut  sich
bei  allen  Schichten  der  Bevölkerung  der  größten
Wertschätzung  und  Liebe.

egernsee,  .  August.  Das  allen  Besuchern
Tegernsees  bekannte  Serben-Hotel,  das  aus  der
vor  Jahrzehnten  erbauten  Billa  eines  serbischen
Fürsten  hervorging,  erläßt  eine  Erklärung,  daß
die  Besitzer  mit  der  serbischen  Nationalität  nicht
das  geringste  zu  tun  haben.  Die  Eigentümer
des  Hotels,  namens  Plöcker,  haben  sich  daher
entschlossen,  mit  Rücksicht  auf  die  jüngsten  polilischen
  Ereignisse  den  Namen  des  Hotels  in
Hotel  Bayerischer  Hof  umznändern.

Rieden,  3.  Aug.  Erschosfen  aufgefunden  wurde
auf  dem  Gange  ihres  Hauses  die  hiesige  Niederbäuerin.
  Der  Schuß  ging  ins  Herz.  Zur  Ausübung
  der  Tat  bediente  sie  sich  eines  Terzerols.
Die  Angst  vor  der  Mobilmachung  und  dem
Krieg  drückte  der  armen  Frau  die  Wafsse  in
die  Hand.

Burghausen,  3.  Ang.  Auf  der  hiesigen
Grenzbrücke  wurde  heute  ein  Mann,  der  sich
nicht  ausweisen  konnte,  festgenommen  und  der
Ortspoligeibehörde  vorgeführt.  Er  machte  sich
im  Bierhallegarten  durch  Geländeaufzeichnungen
verdächtig.

 

 

Kotolnachrichter.
Rosenheim,  den  4.  Angust  1914.

Militärdienst.  Der  Fähnrich  Wilhelm
Thoma  wurde  vom  1.  ds.  Mts.  zum  Leutnant
des  3.  Infanterie-Regiments  Prinz  Karl  von
Bayern  ernannt.

iözesannachrichten.  Das  Pienzen-=auersche
  Benefizium  in  Erding  ist  dem  Benefizialen
  Adols  Pirngruber  in  Isen,  B.-A.  Wasserburg,
  das  Auersche  Benefizium  in  Rotthalmünster
  B.-A.  Griesbach.  den  Beuefiziaten  Franz
Seraph  Elender  in  Tüßling,  B.-A.  Altötting,
verliehen  worden.

Hilse  für  die  Opfer  des  Krieges.  Der
Aufruf,  welchen  der  Frauenverein  vom  Noten
Kreuz  am  Montag  ergehen  ließ,  hat  überall
befte  Aufnahme  gefunden.  Erfreulicherweise  decken
die  Liste,  welche  zur  Einzeichnung  in  unserer
Cxpedilion  aufliegl,  schon  verschiedene  Namen.
Es  wäre  sehr  zu  begrüßen,  wenn  dieses  schöne
Beispiel  zahlreiche  Nachahmung  finden  würde.
Gar  vieles  ist  erforderlich,  die  Zahl  der  Verwundeten
  und  der  im  Kriege  Erkrankten  wird
nicht  gering  sein.  Wir  verweisen  auch  nochmals
auf  die  dieser  Tage  beginnenden  außerordentlichen
Kurse  für  die  Ausbildung  von  Helferinnen  im
Dienste  des  Roten  Kreuzes.  Viekes  ist  erforderlich,
  fleißige  Hände  in  großer  Zahl  sind  willkommen.
  Die  Frauenwelt  Rosenheims  wird  sich
r-*nie  eine  Chrenpflicht  daraus  machen,  in  der

usübung  dieses  vaterländischen  Werkes  in  vorderster
  Linie  zu  stehen.

Der  Dank  an  die  Milchproduzenten.
  Auf  das  Inserat  der  Vorstandschaft
der  Milchproduzenten-Vereinigung  Rosenheim
und  Umgebung  in  der  gestrigen  Nummer  ist
seitens  des  Magistrats  an  die  Vorstandschaft
folgendes  Dankschreiben  abgegangen:  „Der  Aufruf
  an  die  Mitglieder  der  Milchproduzenten-Vereinigung
  Nosenheim  und  Umgebung  in  der
heutigen  Nummer  der  Tagespresse,  jede  Milchpreissteigerung
  auch  während  des  Krieges  nach
Möglichkeit  zu  vermeiden,  gibt  uns  freudigen
Anlaß,  der  geschätzten  Vorstandschaft  für  diese
ehrende  Kundgebung  echt  vaterländischer  Ge.
sinnung  herzlichst  zu  danken.  Diese  Zusicherung
mindert  die  schwere  Sorge  um  die  Ernährung
der  Heimat-Bevölkerung  und  sichert  der  verehr- 



 

 

lichen  Milchproduzenten-Vereinigung  den  verdienten
  Dank  der  gesamten  Einwohnerschaft“.
Diesem  Dank  wird  sich  die  Gesamt-Bevölkerung
gewiß  gern  anschließen.

Krieg  und  Steuerzahlen.  Vielseitig
wu'de  die  irrige  Meinung  laut,  daß  nunmehr
insolge  des  Ausbruches  des  Krieges  die  Tätigleit
  der  Steuerbehörde  ruhe.  Diese  Ausehanung
  ist  nicht  richtig.  Infolge  des  Krieges
lreten  an  das  Reich  und  an  die  Bundesstaaten
erhöhle  sinanzielle  Anforderungen  heram  Um
diesen  Anforderungen  gerecht  werden  zu  können,
ist  es  unbedingte  Notwendigleit,  daß  die  slaatlicken
  Cefälle,  gleichriel  welchen  Namen  sie  traden,
  wie  Steuern,  Gebühren,  Wehrbeitrag  usv
laldigst  und  möglichst  vollständig
eingehen.  Von  zuständiger  Stelle  erfahren
wir,  daß  freiwillige  Vorauszahlungen  bii  den
Steuerbehörden  (K.  Rentämtern  in  iedem
Vetrage  bereitwilligst  entgegengenommen  werden.
  Dies  hat  insbesondere  hinsichtlich  des  von
den  besitzenden  Klassen  zu  entrichtenden  Wehrreitrages
  zu  gelten.  Wer  irgendwie  hiezu
in  der  Lage  ist,  möge  schon  allein  aus  patriotischen
  Gründen  den  ganzen  Wehrbeitrag  entrichten.
  Wo  jedoch  diese  Voraussethung  nicht
gegeben  ist,  mögen  2#3  oder  doch  weuigstens
!1  „  sofort  und  möglichstebald  einbezahlt
und  nicht  erst  die  dem  Pflichtigen  gesehlich
usehende  Warlefrist  bis  zum  Ablauf  der  drei
Monate  von  der  Zustellung  des  Veranlaamngebescheides
  an  abgewartet  werden,  un'  so
dem  Reiche  die  so  dringend  notwendigen  Mittel
  zuzuführen.  Auf  die  Gutrechnung  von  4%
Zinsen  aus  dem  vorausbezahlten  2.  und  3.
Driktel  des  Wehrbeitrages  wird  ausdrücklich
ligewiesen.  Dadurch  würde  die  überam  wichtide
  finanzielle  Kriegsbereitschaft  undemem  ge
sördert  werden.  Dadurch  würde  auck  jeder,
der  möglichst  bald  und  ganz  bezahlt,
seinem  über  alles  geliebten  und  so
schwer  bedrohten  deutschen  Vaterlaude
  wabrhaft  patriotische  Dienste  erweisen.

Die  Mangfall  wurde  gestern  in  München
  in  die  ungeheuerliche  Falschmeldung  von  der
Vergistung  der  Münchener  Wasserleitung  einbezogen.
  Wir  lesen  in  der  „M.  N.  N.“:  Wer  unsere
  Münchener  Trinkwasserversorgung  kennt,  der
wird  den  Wert  eines  solchen  Gerbchtes  ohne  weileres
  einzuschätzen  wissen.  Eine  Vergiftung  der
Mangfall,  die  behauptet  wurde,  ist  naturlich  vollständig
  gleichgültig,  da  wir  kein  Mangfallwasser
irinken,  sondern  Quellwasser  aus  dem  Mangfallgebiet.
  An  eine  Vergiftung  unserer  Wasserleitung
mit  chemischen  Giften  ist  nicht  zu  denken,  weil
dazu  große  Mengen  notwendig  wären,  die  nicht
in  die  Ouelleitung  gebracht  werden  könnten,
ohne  daß  es  beobachtet  würde.

Die  Postverbindung  bat  infolge  der
„Mobilmachung  eine  wesentliche  Einschränkung  erfahren.
  Der  gesamte  Einlauf  von  und  über
München,  der  heute  mit  der  Frühpost  fällig  war,
ist  einschließlich  des  Depeschenmaterials,  das.  in
der  Nacht  einlief,  ausgeblieben.  Erst  um  ½/1
Uhr  nachmittags  gelangte  das  sonst  in  der  Frühe
sällige  Redaktionsmaterial  in  unsere  Hände.  Auch
in  den  kommenden  Tagen  wird  sich  dies  noch
wiederholen.

Zur  Beachtung  unserer  Leser.  Die  Presseabteilung
  des  Großen  Generalstabes  hat  die  Genehmigung
  erteill,  daß  sämtliche  Nachrichten
unsere#  Korrespondenzbüros  von  den  Zeitungen
übernommen  werden  dürfen,  da  sie  vorher  der
Iresseabteilung  zur  Genehmigung  vorgelegen
haben.  Die  von  uns  veröffentlichten  Kriegsnachrichten
  sind  daher  authentisch.

Im  Kath.  Gesellenverein  fand  sich  trotz
der  ernsten  Zeit  bei  der  am  Montagabend  stattgefundenen
  Versammlung  eine  stattliche  Anzahl
von  Mitgliedern  ein.  Den  Mittelpunkt  des
Abends,  der  angesichts  der  kriegerischen  Ereignisse
sehr  ruhig  verlief,  bildete  eine  kleine  Chrung  des
Schreiners  Herrn  Math.  Dezmann,  der  seit  25
Jahren  dem  Verein  als  verdienstvolles  Mitglied
angehört.  Der  Vizepräses  H.  H.  Stadtkaplan
Bernrieder,  überbrachte  dem  Jubilar  die  Glückwünsche
  des  Vereins  und  überreichte  ihm  eine
silberne  Tabaksdose  mit  Widmung.  Dann  gab
der  Präses  bekannt,  daß  der  Vorstand  Mirowsly,
sowie  mehrere  Mitglieder  dem  Ruse  des  Vaterlandes
  Folge  geleistet  haben  und  wünschte  ihnen
glückliche  Wiederkehr.

ür  die  Erutearbeiten  sind  zahlreiche
Kräfte  erforderlich.  Die  Landwirtschaft  ist  ihrer
Arbeiterschaft  entblößt,  der  Segen  der  Felder
verdirbt  und  geht  zu  Grunde,  wenn  er  nicht
unter  Dach  gebracht  wird.  Alle  arbeitslos
gewordenen  Kräfte  sind  hier  willkommen.  Wir
appellieren  namentlich  auch  an  unsere  -
die  jetzt  die  Zeit  der  Ferien  genießt.  Auch  die
Mitglieder  der  Gewerkschaften  und  der  Arbeitervereine
  etc.,  welche  wegen  Schließung  von  Betrieben
  beschäftigungslos  werden  sollten,  können
in  der  Ernte  Arbeit  und  Perdienst  finden.  Das
Ministeriumdes  Inernktsoebenein.  Ministrial.
entschließung  über  die  ermittlung  von  Erntearbeitern
  hinausgegeben.  Wir  veröffenklichen
sie  in  unserer  nächsten  Nummer  und  machen  hier

 

 

besonders  darauf  aufmerksam.

 

Mittwoch,  ö.  August  101)

Die  Frauen  im  Dienste  des  Vater
landes.  Die  drei  hiesigen  Frauenvereine:
Katholischer  Frauenbund,  Evangelischer  Frauenverein
  und  Verein  für  Frauenintertssen  haben
sich  gemeinschaftlich  dem  Roten  Kreuz  in
Rosenheim  zur  Verfügung  gestellt.  Weiters
schließen  sich  diese  drei  Frauenvereine  zusammen,
um  auf  ersuchen  des  Hauptverbandes  Bayerischer
Frauenvereine  und  nach  dem  Vorbild  anderer
Städte  ein  Komite  für  „Nationalen  Frauendienst",
  für  die  Dauer  des  Krieges  zu  organisieren,
  das  sich  zur  Aufgabe  stellt,  bedürstigen
Frauen  und  Kindern,  deren  Crnährer  im  Felde
im  Kampfe  sind,  hilfreich  zur  Seite  zu  stehen.
Sobald  die  Vereinigung  feste  Beschlüsse  gesaßt
hat,  werden  wir  weitere  Mitteilungen  machen.

 

Kurs  für  Helferinnen  vom  Noten
Kreuz.  Der  Frauenzweigverein  Rosenheim
vom  Roten  Kreuz  gibt  hiemit  bekannt,  daß  ein
außerordentlicher  Kurs  für  Helferinnen  vom
Roten  Kreuz  am  Mittwoch,  den  5.  August
abends  7  Uhr  im  Saale  des  Kaiserbades  in
Rosenheim  beginnt,  der  zweite  Kurs  am  Donnerslag,
  den  6.  August,  abends  ½  à  Uhr  im  Saale
des  Gasthauses  „zur  Hecke“  in  Tegerndorf.
Selbstverständlich  sind  zu  dem  Lepßteren  nicht
nur  Frauen  und  Zungsranen  von  Degerndorf,
und  Brannenburg,  sondern  auch  die  Bewohnerinnen
  der  ganzen  Umgebung  eingeladen.

Dem  Publikum  erwächst  eine  außerordentlich
  bedentsame  Ausgabe.  Es  hat  sich  ergeben,
  daß  uns  das  Ausland  mit  Spionen
und  Personen,  die  zur  Ausführung  verbre
cherischer  Anschläge  bestimmt  sind,  geradezu
überschwemmt  hat.  Es  sind  bereits  zahlreiche
Nersuche  unlernommen,  wichtige  Kunstbauten,
Eisenbahnbrücken,  Tunnels  und  dgl.  zu  sprengen,
  um  den  Aufmarsch  unserer  Truppen  zu  stö
ren.  Zeder  solche  Versuch  wird  unter  den  obwaltenden
  Umständen  unnachsichtlich  mit  dem
Tode  bestraft.  Jeder  Mann  aus  dem  Volle
hat  die  heilige  Pflicht,  was  in  seinen  Kräften
sieht,  dazu  beizutragen,  daß  derartige  verbrecherische
  Anschläge  auch  weiterhin  unwirksam  ge
macht  werden.

Der  Andrang  von  ängstlich  gewordenen
  Kapitalisten  (in  der  Regel
kleine  Leute)  bei  den  Geldinstituten,  wie  er  in
Kriegszeiten  in  der  ersten  Bestürzung  leider
überall  wahrzunehmen  ist.  hat  erfreulicherweise
bereits  merklich  nachgelassen  und  auch  die  Angstverkäuse
  in  Pfandbriefen  u.  s.  w.  haben  soviel
wie  aufgehört,  dagegen  haben  vielmehr  einzelne
Leute  bereits  den  gesunkenen  billigen  Psandbriefkurs
  dazu  benützt,  um  Geld  in  solchen  Werlpapieren
  anzulegen.  Zahlreicher  aber  sind  diejenigen,
  welche  gegemvärtig  ihre  Wertpapiere
und  auch  sonstige  Wertgegenstände  den  Vankinstituten
  (auch  den  hiesigen  Banken)  zur  Aufbewahrung
  anvertrauten  in  der  richtigen  Erkenntnis,
  daß  sie  damit  am  besten  einer  Verlustgefahr
  vorbeugen.

Eine  schöne  Tat.  Von  ungenannt  sein
wollender  Seile  sind  dem  Magistratsvorstande
dahier  1000  4  insbesondere  zur  Unterstüutzung
von  bedürftigen  Familien  zur  Fahne  einberusener
Mannschaften  übergeben  worden.  Cine  Hilfsaltion
  für  die  in  der  Heimat  zurückgebliebenen.
ihres  Ernährers  jetzt  beraubten  Familien  wird
demnächst  auch  in  hiesiger  Stadt  organisiert  werden.
  Dem  Spender  dieser  ersten  großen  Gabe
sei  inniger  Dank  und  herzlich  Vergelts  Goit
gesagt.

Eine  warnung.  Der  kommandierende
General  des  1.  Armeehorps  hat  auf  Grund
des  Artikels  4  des  Rriegs  zustandsgesetzes  verfügt,
  daß  Geschäfte,  in  welchen  die  Annahme
von  als  Sahlunge-mittel  gesetzlich  anerkhannten
assenscheinen  und  Banknoten  verweigert  wird,
sofort  polizeilich  geschlossen  werden.  Die  Ortspolizeibehörden
  sind  angewiesen.  daß  die  Schliesung
  solcher  Geschäfte  nach  einmaliger  erfolgloser
  Warnung  rücksichtslos  durchgefuhrt  werde.

Französische  Flieger  sollen  in  der  letten
  Nacht  auch  über  Rosenheim  und  Umgebung
beobachtet  und  verfolgt  worden  sein.  Ob  sich  die
Meldung,  daß  einer  davon  heute  am  frühen
  Morgen  bei  Kiefersfelden-Kufstein  herunlergeschossen
  worden  ist,  bestätigt,  konnten  wir
noch  nicht  in  Erfahrung  bringen.  Die  Beslätigung
  wäre  sehr  erfreulich.

Rosenheim  lag  in  der  verflossenen  Nacht
zum  größten  Teil  im  Dunkel.  Die  Strahenbeleuchtung
  war  ausgelöscht  worden.

Fahrraddiebstahl.  Ein  Fahrrad  „Brennabor“
  ohne  hinterem  Schutzblech,  mit  grauen
Mänteln,  schwarzem  Rahmenbau,  aufwärts  gebogenen
  Lenkstangen  und  Rücktrittbremse  wurde
entwendet.

Lebensmüd.  Am  2.  de.  Mts.  nachmittags
wollte  sich  eine  Frau  in  den  Hammerbach  stürzen,
wurde  aber  von  Passanten  daran  verhindert.

Gefunden  wurde  eine  Damenuhr  mit
Kette.  Sie  kann  im  magistratischen  Geschäftzimmer
  No.  2  abgeholt  werden.