Scharnhorst an seine Tochter.
25. Hpril 1815.
Mag der Seind auch noch so überlegen sein, mag er noch
so große Siege über uns jetzt erfechten, die ganze Anlage
dieses Krieges ist so, daß im Laufe dieses Leldzuges uns
sowohl die Überlegenheit als der Sieg nicht entgehen kann.
Der weimarische Kanzler Müller und Uapoleon
am 26. Kpril 1813.
Uie werde ich den Moment vergessen, als die Slügeltüren
jenes großen mit einem Erker versehenen Simmers der
Statthalterei sich öffneten und nun der Kaiser UNapoleon in
seiner Thasseuruniform langsamen Schrittes auf mich zukam
und, ganz ruhig, aber mit zusammengezogenen Kugenbrauen,
verbissenen Unwillens, mich mit der lakonischen Frage ansprach:
„Oa# est votre contingent!“
Ich hatte diese unheilschwere Frage kaum durch eine
kurze Darlegung der besonderen Umstände, unter welchen
dieses Kontingent vor wenig Tagen von den Hreußen überrumpelt
und gefangen genommen worden war, beantwortet,
als der bis dahin zurückgehaltene Sorn des Kaisers losbrach
und wie ein Strom, der seinen Damm zerreißt, über mich
hereinstürzte. „Wie, Ihr bildet Euch ein, ein ganzes Bataillon
lasse sich ohne Schwertstreich von einer handvoll husaren gefangen
nehmen? Wie, Ihr wollt mir glauben machen, ein
solcher Skandal lasse sich ohne vorherige verräterische Derabredung
denken? Ich weiß gar zu wohl, daß Euer herzog
mein abgesagter Feind ist und nie aufgehört hat, mit allen
meinen Feinden zusammenzuhängen. hat er nicht preußische
Offiziere in seinem Dienste und in seinem Solde? hat er
nicht fortwährend mit der Kaiserin von Esterreich, meiner
Schwiegermutter, korrespondiert, die von Wien aus giftige
Uetze für mich spinnt? Zber fürwahr, man betrügt mich
nicht so leicht! Ich habe sie alle gelesen, diese Briefe; die
Kunst, zu entziffern und unmerkbar Briefe zu öffnen, ist
unglaublich weit gediehen! Euer herzog ist der unruhigste
Fürst in ganz Europa (votre prince est le plus remuant de
toute P’Europe). Und Euer Augendbund, die frechen und revo-180