Full text : Deutsche Geschichte. Zweiter Band. (2)

24  1.Die  Zeit  Ludwigs  XIV  und  des  Kurfüriten  Friedrih  Wilhelm.

und  der  einzige  Mißton  war,  daß  e3  dem  Prinzen  von  Homburg
infolge  der  Ermüdung  der  Pferde  nicht  gelungen  war,  die  Verfolgung
  des  nach  Mecklenburg  abziehenden  gegnerischen  Heeres,  jo
wie  der  Kurfürjt  wollte,  durchzuführen.  Gleichwohl  war  der  Sieg
bedeutend  genug.  Der  Kurfürjt  war  entichlofjen,  die  Schweden
vollends  aus  ihren  Belißungen  im  Reich  zu  verdrängen.  Im
Dezember  1677  mußte  da3  Seit  Suli  belagerte  Stettin  fapitulieren,
im  September  1678  gewann  der  Kurfürft  mit  Hilfe  einer  dänifchen
Slotte  die  Snfel  Rügen,  im  Oftober  Stralfund,  im  November  Greifswald,
  ja  nach  einem  heldenmütigen,  in  der  Kriegsgeichichte  berühmt
gewordenen  Marjch  über  dag  gefrorene  Frifche  und  Kurifche  Haff
trieb  er  eine  von  Livland  her  in  Preußen  eingedrungene  jchwedilche
Heeresmacht  aus  diefem  Lande  bi3  gegen  Riga  zurüd,  da3  nur  ein
Eleiner  Zeil  des  jchwedilchen  Heeres  wieder  erreichte.

In  einem  traurigen  Gegenjab  zu  diefen  ruhmvollen  Kriegstaten
  im  Norden  war  die  Kriegführung  in  den  Niederlanden  und
am  Rhein  inzwischen  in  den  Jahren  von  1675—  78  weitergegangen.
Nirgends  wurden  enticheidende  Erfolge  erreiht.  Das  einzige  Ereigniß
  don  größerer  Bedeutung  war  der  Tod  des  greifen  Turenne,
de3  ruhmreichjten  Heerführers,  den  Zudwig  XIV  in  feinen  Dienften
hatte:  in  einem  Gefecht  zu  Saßbadh  im  Badilchen,  im  Suli  1675,
fiel  er  von  einer  Kanonenfugel  getroffen.  In  dem  Gefecht  bei  Altenbein
  am  1.  Auguft  Schrieben  fich  beide  Teile  den  Sieg  zu.  September
1675  gelang  den  Verbündeten  die  Belagerung  und  Einnahme  von
Trier,  1676  die  von  Bhilippsburg.  So  ging  es  weiter  Jahr  um
Sahr  auf  den  verjchiedenen  Schaupläßen:  wie  hier  im  Süden,  jo
wurden  in  den  Niederlanden  Pläe  gewonnen  und  verloren,  und
wie  hoch  im  Norden,  jo  wurde  auch  tief  im  Süden  gefämpft:  in
den  Sizilischen  Gewäflern  maßen  fic)  die  franzöfische  und  die  niederländilche
  Ylotte.

Schon  jeit  1676  fuchte  man  den  Frieden  und  fonnte  ihn  bei
der  Mannigfaltigfeit  der  Intereffen  nicht  finden:  etwas  jchneller
al3  dreißig  Jahre  früher  ging  e3  aber  doc.  Ludwig  erkannte,
daß  er  diesmal  feinen  Anfchlag  gegen  die  Niederlande  nicht  würde