636 Die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie (1786-1812).
Neutralisationsgewichte von Säuren und Basen'.« Trarıes endlich,
der namentlich in der angewandten Mathematik (Aräometrie, Thermometrie,
Längen- und Breitenbestimmung) und Metereologie gearbeitet
hat, hat doch auch die reine Mathematik gefördert (s. Näheres im
folgenden Buch). TespELnorF, der Artillerie-Ingenieur, war von
der Mathematik längst zur Kriegsgeschichte übergegangen”.
Der grosse botanische Garten der Akademie stand nach GLrpırscns
Tode erst unter J. Cn. A. Mavers (1787-1801), dann unter
Wirtpexow's trefllicher Leitung (geb. 1765, gest. 1812). Er hat ihn
nieht nur in der Franzosenzeit und gegenüber den Versuchen, den Etat
zu kürzen, wacker vertheidigt, sondern auch auf der Höhe gehalten,
auf die er durch seinen Onkel — WirLpExow war GLEDITSscH's Neffe —
gebracht worden war. Seit 1788 war er, der schon als Jüngling einen
»Prodromus florae Berolinensisa geschrieben hatte, mit ALEXANDER
von llungorpr innig befreundet und hat das botanische Interesse
in dem grossen Naturforscher geweckt und wach erhalten. Selten
hat die beschreibende Botanik einen so entlusiastischen und fleissigen
Jünger besessen wie WiLLnenow; »sein Herbarium zählte weit
über 20000 Arten und enthielt die meisten Originalexemplare von
denjenigen Pflanzen, die neu entdeckt und neu beschrieben waren.
Linne’s Species plantarum, die er neu herausgab, zeugen von seiner
echten deutschen Gelehrsamkeit«. Aber sein Interesse ging über
die blosse Beschreibung weit hinaus, sowohl in der Richtung auf
die Förderung des Obst- und Gartenbaus, als in theoretischer Hinsicht.
»Er war ein Botaniker, der den wissenschaftlichen Vergleich
übte und der den neueren Ideen durch sein stilles, nachhaltiges
Wirken zum Siege verhalf.« Könıs, der ihn so charakterisirt hat?,
fährt fort: »Ist er doch der geistige Urheber der Ideen zu einer
Geographie der Pilanzen’, die sein grosser Freund ALEXANDER VON
HumsoLpr in einer besonderen Schrift zur Debatte stellte‘. Wırr-I
Cınxror in der Allgemeinen Deutschen Biographie Bd.7 S.62f.
?2 Als Mathematiker und Techniker war auch der Oberbergrath Moexnıch
(1741-1800) in der Akademie. Er hat sie nur mit einer Abhandlung über die
Frage: »Ob man mit beiden Augen zugleich und gleich deutlich oder wirklich nur
init einem Auge recht deutlich sieht, wenn man das Object einfach sieht« (1790/91
S.46 ff.) beschenkt. Wie Gassenpı war er der letzteren Meinung. Der Mathematiker
Bursa fühlte sich seiner Aufgabe so wenig gewachsen, dass er im Jahre ı8ı1
den Antrag stellte, in die litterarische Klasse übergeführt zu werden; die Bitte
wurde ihın aber abgeschlagen.
® Allgemeine Deutsche Biographie Bd.43 S.253.
* Siehe IlumsorLor’s Brief vom ı2. November 1794 an Prarr bei Brunns,
ALEXANDER von Ilussonvr, Bd.l S.2o5.