Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1898. (32)

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Der  Ablehnungsgrund  ist  glaubhaft  zu  machen;  zur  Versicherung  an  Eidesstatt
darf  die  Partei  nicht  zugelassen  werden.  Zur  Glaubhaftmachung  kann  auf  das  Zeugniß
des  abgelehnten  Richters  Bezug  genommen  werden.

Der  abgelehnte  Richter  hat  sich  über  den  Ablehnungsgrund  dienstlich  zu  äußern.

Wird  ein  Richter,  bei  welchem  die  Partei  in  eine  Verhandlung  sich  eingelassen
oder  Anträge  gestellt  hat,  wegen  Besorgniß  der  Befangenheit  abgelehnt,  so  ist  glaubhaft
  zu  machen,  daß  der  Ablehnungsgrund  erst  später  entstanden  oder  der  Partei  bekannt
  geworden  sei.

§.  45.

Ueber  das  Ablehnungsgesuch  entscheidet  das  Gericht,  welchem  der  Abgelehnte
angehört;  wenn  dasselbe  durch  Ausscheiden  des  abgelehnten  Mitgliedes  beschlußunfähig
wird,  das  im  Instanzenzuge  zunächst  höhere  Gericht.

Wird  ein  Amtsrichter  abgelehnt,  so  entscheidet  das  Landgericht.  Einer  Entscheidung
  bedarf  es  nicht,  wenn  der  Amtsrichter  das  Ablehnungsgesuch  für  begründet
  hält.

§.  46.

Die  Entscheidung  über  das  Ablehnungsgesuch  kann  ohne  vorgängige  mündliche
Verhandlung  erfolgen.

Gegen  den  Beschluß,  durch  welchen  das  Gesuch  für  begründet  erklärt  wird,

findet  kein  Rechtsmittel;  gegen  den  Beschluß,  durch  welchen  das  Gesuch  für  unbegründet
  erklärt  wird,  findet  sofortige  Beschwerde  statt.

§.  47.

Ein  abgelehnter  Richter  hat  vor  Erledigung  des  Ablehnungsgesuchs  nur  solche
Handlungen  vorzunehmen,  welche  keinen  Aufschub  gestatten.

§.  48.

Das  für  die  Erledigung  eines  Ablehnungsgesuchs  zuständige  Gericht  hat  auch
dann  zu  entscheiden,  wenn  ein  solches  Gesuch  nicht  angebracht  ist,  ein  Richter  aber
von  einem  Verhältnisse  Anzeige  macht,  welches  seine  Ablehnung  rechtfertigen  könnte,
oder  wenn  aus  anderer  Veranlassung  Zweifel  darüber  entstehen,  ob  ein  Richter  kraft
Gesetzes  ausgeschlossen  sei.

Die  Entscheidung  erfolgt  ohne  vorgängiges  Gehör  der  Parteien.

§.  49.

Die  Bestimmungen  dieses  Titels  finden  auf  den  Gerichtsschreiber  entsprechende
Anwendungj  die  Entscheidung  erfolgt  durch  das  Gericht,  bei  welchem  der  Gerichtsschreiber
  angestellt  ist.