Form der Eheverträge. Statutenkollision. 143
so hat selbst det Auswärtige sich hienach zu richten,
insoferne er im Gebiete des betreffenden Spezialstatutes
Rechte geltend machen will. Vgl. Windscheid
Pand.-Recht Bd. 1 §. 35, Glück Pand.=Komm.
Bd. 1 S. 105, Bl. f. RA. Bd. XIII
S. 237 ff.
Man kann nicht entgegenhalten, daß das bayer.
Landrecht dem Auswärtigen etwas Unmögliches vorschreibe;
denn dieses Gesetz begnügt sich mit der
Errichtung der Ehepakten bei der Obrigkeit eines
der belden Paziszenten, ohne sich auf eine Obrigkeit
in Bayern zu beschränken, und bestärkt damit
die Annahme, daß es die obrigkeitliche Zuziehung
als unerläßlich ansah, indem es diese Sicherheitsmaßregel
selbst bei auswärtigen Paziszenten festhielt,
aber denselben die Beiziehung ihrer Obrigkeit
freistellte.
Der Auswärtige kann sich auch mit Grund
nicht auf seine präsumtive Unwissenheit über die betreffende
Formalität stützen; denn es ist Sache desjenigen,
welcher Rechte in einem fremden Territorium
erlangen und sicherstellen will, sich über die dortigen
Gesetze zu vergewissern, namentlich wenn die
Absicht der Paziszenten, wie hier, schon vom Anfange
an dahin ging, die Ehe im Rechtsgebiete des
bayer. Landrechtes zur Wirksamkeit zu bringen und
dort zu domiziliren.
Bei diesen Verhältnissen und nachdem die revidirende
Liquidantin ihr Domizil als Ehefrau des
Gantirers schon gleich Anfangs in M. genommen
hat, auch der produzirte Ehevertrag, auf welchen
sich der Dotalanspruch stützt, am 29. Ang. 1847
in A. nur außergerichtlich ohne irgend eine amtliche
Betheiligung abgeschlossen wurde, haben die Vorinstanzen
den eingedungenen Illaten mit zureichendem
Grunde die Eigenschaft eines wahren Heirathgutes
versagt, und es relevirt dabei nicht, daß die nun-