Beispiel diene die berühmte Stelle von der Flöte, die sich im
stenographischen Bericht wie folgt ausnimmt:
„Es ist ja nicht nötig, daß in einem Konzert — auch nicht
im enropäischen Konzert — jeder dasselbe Instrument spielt.
(Heiterkeit. Sehr gut.)
Der eine schlägt die Trommel
(Heiterkeit),
der andere stößt in die Trompete
(Heiterkeit),
der dritte hält die große Pauke in der Hand
(Große Heiterkeit).
Wir bliesen in Konstantinopel die Flöte diplomatischer Überredung,
und wir bliesen sie nicht umsonst
(Sehr gut. Heiterkeit).
— — Wenn Streit entsteht, treten wir ruhig beiseite
(Sehr gut)),
wenn Differenzen laut werden, legen wir die Flöte still auf den
Tisch und verlassen den Konzertsaal.“
(Große andauernde Heiterkeit.)
Der Redner v. Bülow ging ganz bewußt darauf aus, wie das
Mädchen aus der Fremde da und dorthin Blumen zu verstreuen
und möglichst vielen zu gefallen, jedoch nicht aus persönlicher Eitelkeit
und Koketterie — dazu war er in seines Wesens Grunde zu
ernst — sondern aus der klaren Überlegung, daß im Verfassungsstaate
mit seiner Rede-, Preß- und Agitationsfreiheit die Gunst
der öffentlichen Meinung und der Mehrheitsparteien ein wesentliches
Element sei, um die Aufgaben des Staatsmannes zu erleichtern.
Über die sorgfältige Vorbereitung seiner Kanzlerreden
wird später noch mehr zu berichten sein. Einstweilen genügt es
zu sagen, daß das Werben für sein persönliches Ansehen ganz dem
Zwecke diente, so leicht und ausgiebig als möglich politisch wirken
zu können. Dabei war freilich immer die Gefahr zu vermeiden,
daß die Macht der Persönlichkeit in den letzten Endes doch unbestechlichen
Angen des wahren Volkes Schaden litt. Andere Kanzler
nach Bismarck, die keinem solchen gewissermaßen aufgeklärten
Egoismus huldigten, haben schwerer mit sich und den mitbestimmenden
politischen Faktoren zu kämpfen gehabt als er.
14