Haltung der Minister. 91
treter in Frankfurt vom 7. Mai sprach er zunächst nur Preußens Zustimmung
zur Einsetzung des Triumvirates im allgemeinen aus, ohne auf die Personenfrage
einzugehen; er ließ aber dem Könige gegenüber durchblicken, daß er
um seine Entlassung bitten werde, wenn dieser auf seinem Willen bestehe.
Auch in dieser Frage fügte sich das Ministerium dem Willen des Königs nicht.
Man würde sich aber doch täuschen, wenn man annehmen wollte, daß diese
Auseinandersetzung auf die Minister gar keinen Eindruck gemacht habe.
Dagegen sprechen die Schritte der nächsten Wochen, soweit sie bisher bekannt
geworden sind. Am 14. Mai erteilte das Ministerium auf die oben erwähnte
sächsische Note über den Siebzehnerentwurf eine sehr merkwürdige Antwortk.1
Es lehnte eine klare Stellungnahme zu dem Entwurf und den sächsischen
Abänderungsvorschlägen ab, da sich erst im Verlaufe der Berakungen in der
Nationalversammlung das Urteil der einzelnen Regierungen darüber klären
werde, sofern überhaupt der Entwurf „bei den gemeinsamen Beratungen
wegen des deutschen Verfassungswerkes zur Grundlage und zum Ausgangspunkte
gewählt werden sollte“. Für jetzt könne Preußen ihm nur so weit zustimmen,
als er sich mit den Abmachungen vom 2z. März decke, denen ja auch
Sachsen beigetreten sei. Im Sinne dieser Verabredungen glaube Preußen
sich mit denjenigen „Beschränkungen und sonstigen Modalitäten“, welche die
sächsische Note anrege, schon jetzt einverstan den erklären zu können. Bedenkt
man, daß Sachsen den Wechsel der Hberhauptswürde in bestimmter Reihenfolge
vorgeschlagen hatte, so erscheink diese preußische Erklärung fast rätselhaft.
Man sprach seine Zweifel aus, ob der Entwurf den Beratkungen überhaupt
zugrunde zu legen sei, obwohl man ihn eben noch offiziell im Prinzip angenommen
hatte; und man erklärte sich einverstanden mit einer Gestaltung der
JZentralgewalt, die im schroffsten Gegensatz zu dem Grundgedanken des Entwurfes
stand. Zugleich verzichtete man endgültig auf eine Verständigung der
Regierungen untereinander vor dem Jusammentritt der Versammlung.
Einiges Licht fällt aber auf diese Stellungnahme der Minister, wenn wir
die Anweisungen mit heranziehen, die Mitte Mai dem preußischen Bundeskagsgesandten
Herrn v. Usedom, der eben an Dönhoffs Stelle getreten war,
gegeben worden sind.
Dem Gesandten wurde nämlich für den Fall, daß die Nationalversammlung
das im Siebzehnerentwurf vorgeschlagene erbliche Kaisertum augenblicklich
für unausführbar erachten sollte, die Ermächtigung erteilt, sich auch mit einer
anderen Gestaltung der Jentralgewalt einverstanden zu erklären, nämlich mit
der Errichtung eines dauernden Triumviraks. Diesem hätten der Kaiser von
Osterreich und der König von Preußen als erbliche Mitglieder anzugehören,
1 Roth u. Merck 1, 451. Schon Meinecke S. 85 Anm. hat kurz darauf hingewiesen,
daß diese Note die früheren Erklärungen der Regierung wesentlich abschwächt.