Full text : Reichs-Gesetzblatt. 1909. (43)

wegen  der  spanischen  Erbfolge  Krieg  entstände,  solle,  wie  im  Jahre  1686  vertragen
  worden,  der  Kurfürst  8000  Mann,  jedoch  nunmehr  auf  eigene  Kosten
stellen,  und  nur  zur  Vertheidigung  seiner  eigenen  Länder  zurückberufen  dürfen,
auch  andere  Fürsten  zum  Bunde  mit  dem  Kaiser  zu  bringen  suchen.  Alle  ihm
schuldige  Subsidien  erließ  der  Kurfürst,  sollte  jedoch  während  der  Dauer  des
Krieges,  wie  im  Jahre  1686  vertragen  war,  jährlich  150,000  Gulden  erhalten;
und  versprach  auch,  den  Kaiser  in  der  Wiederzulassung  der  böhmischen  Kurstimme
bei  dem  Reichstage  zu  unterstützen.

Da  nun  der  Kurfürst  dem  Kaiser  vorstellen  lassen,  daß  er  aus  verschiedenen
  Gründen  die  Absicht  habe,  seinem  Hause  den  königlichen  Titel  zu  erwerben,
  und  den  Kaiser  gebeten,  ihm  dazu  behülflich  zu  sein,  indem  er  wohl  erkenne,
  daß  er  sich  nach  dem  Beispiel  anderer  souveränen  Könige,  die  in  vorigen
Zeiten  diese  Würde  erlangt,  deshalb  vornehmlich  an  den  Kaiser  als  höchstes
Oberhaupt  der  Christenheit  zu  wenden  habe,  auch  nicht  gemeint  sei,  ohne  dessen
Approbation  sich  solcher  Titel  zu  arrogiren  und  zur  Krönung  zu  schreiten:  so
habe  der  Kaiser  in  Betracht  des  uralten  Glanzes,  Macht  und  Ansehens  des
Kurhauses  Brandenburg,  und  wegen  der  von  dem  jetzt  regierenden  Kurfürsten
dem  gemeinen  Wesen  bisher  geleisteten  großen  Dienste  resolvirt,  eine  solche  wohlverdiente
  Dignität  dem  Kurfürsten  beizulegen,  erklären  auch  aus  kaiserlicher  Macht
und  Vollkommenheit,  wenn  der  Kurfürst  dieser  erlangten  Approbation  zufolge  sich
wegen  seines  Herzogthums  Preußen  zum  Könige  ausrufen  und  krönen  lasse,  daß  er,
der  Kaiser  und  sein  Sohn,  der  römische  König,  auf  erhaltene  Anzeige  ihn  unverzögert
  inn=  und  außerhalb  des  Reichs  für  einen  König  in  Preußen  ehren,  würdigen
  und  erkennen,  und  ihm  diejenigen  Prärogativen,  Titel  und  Ehren  erweisen
wolle,  welche  andere  europäische  Könige  vom  Kaiser  und  kaiserlichen  Hofe  erhielten,
  auch  zu  befördern,  daß  dasselbe  von  andern  Mächten  geschehe,  Alles  jedoch,
wie  der  Kurfürst  sich  bereits  gegen  den  König  von  Polen  verpflichtet,  ohne  Präjudiz
  für  diese  Krone  so  wie  für  das  Reich.  Ueber  die  gegenseitig  zu  gebrauchenden
  Titulaturen  waren  außerdem  noch  die  genauesten  Bestimmungen  hinzugefügt.

Zu  der  Zeit,  wo  dieser  wichtige  Vertrag  zu  Stande  kam,  stand  der  Erzieher
  und  treue  väterliche  Freund  Friedrichs  nicht  mehr  an  der  Spitze  der  Staats-Ungelegenheiten.
  Von  seiner  Verwaltung  weiß  man  nur  Rühmliches  zu  sagen.
Mit  großer  Sorgfalt  hatte  er  sich  der  Finanzverwaltung  angenommen,  und  zu
diesem  Zweck  einen  sehr  einsichtsvollen  Beamten,  den  Geheimen  Kammerrath
von  Kraut  angestellt.  Durch  die  Mitwirkung  dieses  fähigen  Mannes  waren  die
Einkünfte  der  Domainen  und  der  dazu  gehörigen  Gefälle  in  einem  Jahre  um
148,000  Thaler  gestiegen,  und  bald  wurde  überhaupt  ein  bedeutender  Ueberschuß
  gegen  den  früheren  Etat  der  Einnahme  und  Ausgabe  erzielt.  Freilich  reichte
dies  Alles  nicht  hin,  um  die  großen  Kriegslasten  und  den  von  Jahr  zu  Jahr
immer  königlicher  sich  gestaltenden  Hofhalt  Friedrichs  III.  zu  bestreiten,  doch  ist
darum  das  Verdienst  des  sorgsamen  Staatsmannes  nicht  geringer.  Vielleicht  war
er  in  seinem  Benehmen  schroff  und  stolz,  zu  sehr  bedacht,  die  wichtigen  Staats-