Volltext : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1875. (52)

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§§.  1  und  2  des  Impfgesetzes  genannten  Gründen  die  Freilassung  ihrer  Schutzbefohlenen
von  der  Impfung  oder  deren  zeitliche  Zurückstellung  beanspruchen,  haben  das  diesen  Anspruch
  begründende  ärztliche  Zeugniß  spätestens  bei  der  letzten  in  dem  zugehörigen  Impfbezirk
  für  die  Vornahme  der  öffentlichen  Impfung  auberaumten  Tagfahrt  dem  Impfarzt
vorzulegen.

Für  diejenigen  Impflinge,  welche  in  dem  betreffenden  Jahre  impfpflichtig  werden,
aber  ihre  Impfpflicht  schon  früher  erfüllt  haben,  haben  ihre  Vertreter  die  Impfscheine  sogleich
  bei  der  Vorladung  zur  öffentlichen  Impfung  der  Ortsbehörde  vorzulegen.

Ebenso  muß  die  Absicht,  den  Impfling  durch  einen  Privatarzt  impfen  zu  lassen,
sogleich  bei  der  Vorladung  zur  öffentlichen  Impfung  erklärt  und  längstens  bis  zum  31.  Dezember
  des  laufenden  Jahrs  durch  eine  von  dem  betreffenden  Arzte  auszufertigende  vorschriftsmäßige
  Urkunde  dem  Impfarzte  Nachweis  darüber  geliefert  werden,  daß  und  mit
welchem  Erfolge  die  private  Impfung  vollzogen  worden  sei.

S.  10.

Die  Impfung  ist  zur  festgesetzten  Zeit  nach  folgenden  näheren  Anweisungen  auszuführen
  und  der  Vollzug  in  der  betreffenden  Nummer  der  Impfliste  in  den  Rubriken
7—13  bezüglich  jedes  erschienenen  Impflings  vorzumerken.

Zur  erstmaligen  Impfung  (Vaccination)  darf  eine  von  Wiedergeimpften  (Revaccinirten)
  stammende  Impflymphe  niemals,  zur  zweiten  Impfung  (Revaccination)  ausnahmsweise
  und  in  dem  Fall  verwendet  werden,  wenn  sie  von  vollständig  entwickelten
Revaccinepusteln  gesunder  Individuen  entnommen  und  ohne  jegliche  Vermischung  und
Veränderung  unmittelbar  von  Arm  zu  Arm  übertragen  werden  kann.

Die  Abnahme  von  Lymphe  zum  Zweck  der  Weiterimpfung  darf  nur  von  solchen
Kindern  (Vaccinirten)  geschehen,  welche  mindestens  4  Monate  alt  und  bei  genügender
Untersuchung  unzweifelhaft  gesund  erfunden  worden  sind,  insbesondere  keine  Rhagaden,
kein  Wundsein  unter  den  Armen  oder  zwischen  den  Beinen,  keine  Kondylome  an  den
Mundwinkeln  und  an  dem  After,  keine  Ozaena,  keinen  der  Syphilis  oder  Krätze  ververdächtigen
  Hautausschlag  und  keinen  eingesunkenen  Nasenrücken  haben.

Die  Abimpfung  darf  außerdem  nur  von  solchen  Pocken  geschehen,  welche  einen  normalen
  Verlauf  genommen  haben  und  nicht  mit  Rothlauf  komplizirt  sind.

Die  Impfung  hat  stets  mit  einen  reinen  Instrument  und  mittelst  leichter  kurzer
Schnittchen  zu  geschehen,  welche  in  der  Gesammtzahl  von  nicht  weniger  als  5  und  nicht