Contents : Geschichte der Hohenzollern.

—  —r81  —

eine  gewaltsame  Selbsthülfe  erscheint,  so  war  das  Vorenthalten  Jägerndorfs
u.  a.  m.  nicht  weniger  gewaltsam  und  rechtsverletzend.  Freilich  walten  gegen
Polen  Gründe  der  Art  für  das  Haus  Hohengollern  nicht  vor;  die  Theilung
dieses  Landes  war  eine  freie  That,  allein  Polen  selbst  durch  die  vollständige
innere  Auflösung  jedenfalls  dem  Untergange  geweiht;  die  Klugheit,  wenn  wir
nicht  sagen  wollen,  die  Regentenpflicht  gebot,  den  traurigen  Fall  lieber  zu  benutzen,
  als  ihn  zu  eigener  Vernichtung  durch  Andere  allein  ausführen  zu  lassen.

Wenn  in  den  erwähnten  Punkten  Friedrich  ganz  dem  alten  politischen
System  angehört,  so  blickt  er  durch  die  in  seinen  letzten  Jahren  eingenommene
Stellung  einer  neuen  Zeit  entgegen.  Verhältnißmäßig  in  Betreff  seiner  Staaten
abgerundet,  fand  er  nun  seinen  Beruf  in  der  Beschützung  Deutschlands  gegen
fremde  Anmaßung.  Denn  wir  müssen  hier  wiederholen,  daß  die  Anstrengungen
des  Hauses  Habsburg  von  Karl  V.  an  bis  auf  die  heutige  Zeit  niemals  auf
Concentrirung  deutscher  Macht  für  deutsche  Zwecke,  sondern  der  Natur  der  Sache
nach,  da  ihm  das  Geschick  eine  überwiegende  Masse  fremdartiger  Elemente  zugewiesen
  hatte,  nur  darauf  zielten,  die  Kräfte  Deutschlands  für  den  Zusammenschluß
  dieser  undeutschen  Elemente  anzuwenden,  und  das  deutsche  Volk  in  der
ihm  von  der  Vorsehung  bestimmten  und  von  ihm  selbst  gewollten  Entwickelung
seiner  Sonderinteressen  wegen  aufzuhalten,  keinesweges  aber  eine  freie  reindeutsche
  Gesammtentwickelung  stattfinden  zu  lassen.  Friedrich  mit  seinen  Staaten
war  in  einer  andern  Lage,  und  getrost  übernahm  er  den  Beruf,  an  die  Spitze
der  reindeutschen  Elemente  zu  treten.  Dies  ist  Friedrichs  großes  politisches  Vermächtniß
  an  seine  Nachkommenschaft.

Daß  er  insofern  trotz  mancher  Grillen,  von  denen  auch  die  größten
Männer  sich  nicht  immer  frei  halten,  namentlich  wenn  fie  so  raschen  Geistes
find,  als  Friedrich,  in  seiner  Politik  ein  wahrhaft  deutscher  Fürst  war,  geht  aus
derselben  in  den  letzten  Jahrzehnten  seiner  glorreichen  Regierung  deutlich  hervor;
jedenfalls  darf  keine  deutsche  Regierung  behaupten,  daß  sie  zur  Aufrechthaltung
deutscher  Selbstständigkeit  und  Ehre  mehr  gethan  hat,  als  Friedrich.  Während
Oestreich  zur  Erhöhung  seiner  einseitigen  Familienzwecke  die  letzte  Möglichkeit
eines  selbstständigen  deutschen  Staatslebens  abschneiden,  Deutschland  in  die  buntgemischte
  östreichische  Monarchie  aufgehen  lassen  wollte,  und  zu  diesem  Zwecke
ohne  Scheu  den  Nachbarmächten  deutsche  Elemente  preisgab,  hat  Friedrich  bei
Roßbach  und  Zorndorf  den  deutschen  Kriegsruhm  bis  an  die  Sterne  versetzt,  und
trotz  mancher  Unfälle  durch  seine  nie  genug  zu  preisenden  Thaten  das  Wort:
„Fritz  kommt!“  zu  einem  Schreckensruf  für  seine  Feinde  selbst  im  glücklichsten
Lauf  des  Sieges  gemacht.  Wer  also  hat  besser  für  Deutschlands  Ruhm  und
Chre  gesorgt,  als  Friedrich!

Wir  müssen  hier  auch  noch  einmal  auf  den  religiösen  Punkt  zurückkommen.
  Der  Geist  jener  Zeit,  und  zwar  wie  er  sich  selbst  bei  den  edelsten  und
erhabensten  Naturen  aussprach,  war  ein  negativer;  selbst  Kaiser  Joseph  war,
ganz  gegen  seine  einseitig  dynastischen  Interessen,  davon  ergriffen.  Der  Geist