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eine gewaltsame Selbsthülfe erscheint, so war das Vorenthalten Jägerndorfs
u. a. m. nicht weniger gewaltsam und rechtsverletzend. Freilich walten gegen
Polen Gründe der Art für das Haus Hohengollern nicht vor; die Theilung
dieses Landes war eine freie That, allein Polen selbst durch die vollständige
innere Auflösung jedenfalls dem Untergange geweiht; die Klugheit, wenn wir
nicht sagen wollen, die Regentenpflicht gebot, den traurigen Fall lieber zu benutzen,
als ihn zu eigener Vernichtung durch Andere allein ausführen zu lassen.
Wenn in den erwähnten Punkten Friedrich ganz dem alten politischen
System angehört, so blickt er durch die in seinen letzten Jahren eingenommene
Stellung einer neuen Zeit entgegen. Verhältnißmäßig in Betreff seiner Staaten
abgerundet, fand er nun seinen Beruf in der Beschützung Deutschlands gegen
fremde Anmaßung. Denn wir müssen hier wiederholen, daß die Anstrengungen
des Hauses Habsburg von Karl V. an bis auf die heutige Zeit niemals auf
Concentrirung deutscher Macht für deutsche Zwecke, sondern der Natur der Sache
nach, da ihm das Geschick eine überwiegende Masse fremdartiger Elemente zugewiesen
hatte, nur darauf zielten, die Kräfte Deutschlands für den Zusammenschluß
dieser undeutschen Elemente anzuwenden, und das deutsche Volk in der
ihm von der Vorsehung bestimmten und von ihm selbst gewollten Entwickelung
seiner Sonderinteressen wegen aufzuhalten, keinesweges aber eine freie reindeutsche
Gesammtentwickelung stattfinden zu lassen. Friedrich mit seinen Staaten
war in einer andern Lage, und getrost übernahm er den Beruf, an die Spitze
der reindeutschen Elemente zu treten. Dies ist Friedrichs großes politisches Vermächtniß
an seine Nachkommenschaft.
Daß er insofern trotz mancher Grillen, von denen auch die größten
Männer sich nicht immer frei halten, namentlich wenn fie so raschen Geistes
find, als Friedrich, in seiner Politik ein wahrhaft deutscher Fürst war, geht aus
derselben in den letzten Jahrzehnten seiner glorreichen Regierung deutlich hervor;
jedenfalls darf keine deutsche Regierung behaupten, daß sie zur Aufrechthaltung
deutscher Selbstständigkeit und Ehre mehr gethan hat, als Friedrich. Während
Oestreich zur Erhöhung seiner einseitigen Familienzwecke die letzte Möglichkeit
eines selbstständigen deutschen Staatslebens abschneiden, Deutschland in die buntgemischte
östreichische Monarchie aufgehen lassen wollte, und zu diesem Zwecke
ohne Scheu den Nachbarmächten deutsche Elemente preisgab, hat Friedrich bei
Roßbach und Zorndorf den deutschen Kriegsruhm bis an die Sterne versetzt, und
trotz mancher Unfälle durch seine nie genug zu preisenden Thaten das Wort:
„Fritz kommt!“ zu einem Schreckensruf für seine Feinde selbst im glücklichsten
Lauf des Sieges gemacht. Wer also hat besser für Deutschlands Ruhm und
Chre gesorgt, als Friedrich!
Wir müssen hier auch noch einmal auf den religiösen Punkt zurückkommen.
Der Geist jener Zeit, und zwar wie er sich selbst bei den edelsten und
erhabensten Naturen aussprach, war ein negativer; selbst Kaiser Joseph war,
ganz gegen seine einseitig dynastischen Interessen, davon ergriffen. Der Geist