Inhaltsverzeichnis : Der Deutsche Reichstag.

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sie  ein  freundschaftliches  Verhältnis  zu  diesen  beiden  Fraktionen
wünsche,  mit  denen  sie  als  zur  entschieden  liberalen  Partei  gehörig  sich
auf  gemeinsamem  Boden  wisse  und  daß  sie  an  den  gemeinsamen  Beratungen
  der  liberalen  Partei  gerne  teilnehmen  werde.“  Die  Wahlen
zum  norddeutschen  Reichstag  waren  denn  auch  von  den  drei  Fraktionen
  der  Linken  gemeinsam  betrieben  worden.  Das  Ergebnis  war
trotzdem  eine  schwere  Niederlage  für  die  Fortschrittspartei,  die  in  den
alten  preußischen  Provinzen  nur  zehn  Mandate  erringen,  in  den  neuen
Provinzen  nirgends  festen  Fuß  fassen  konnte.  Mit  sieben  Demokraten
aus  Sachsen  und  je  einem  Abgeordneten  aus  Hamburg  und  Gotha,
zusammen  nur  19  Mann  stark,  zog  sie  in  den  norddeutschen  Reichstag
ein.  Die  nationalliberale  Partei  zählte  hier,  Dank  dem  stattlichen
Zuzug  aus  Hannover,  Schleswig-Holstein,  Hessen-Nassau  und  Thüringen
  79  Mitglieder.  Am  Tage  vor  der  Eröffnung  des  Reichstages
hatte  sich  die  „Fraktion  der  nationalliberalen  Partei“  konstituiert.  An
ihrer  Spitze  begegnet  man  von  Bennigsen,  Dr.  Simson,  Twesten,  Lasker,
Hammacher,  Graf  Schwerin,  Roepell,  Michaelis  u.  A.  Die  ausschlaggebende
  Rolle  der  Partei  fand  alsbald  ihre  äußere  Auerkennung  bei
der  Wahl  des  Reichstagspräsidiums.  Mit  127  Stimmen  wurde
Simson  (2.  März)  zum  Präsidenten  gewählt.  Der  konservative  Gegenkandidat
  Graf  Eberhard  Stolberg  erhielt  95  Stimmen.  Erster  Bizepräsident
  wurde  der  freikonservative  Herzog  von  Ujest,  zweiter  Bizepräsident
  von  Bennigsen.

In  der  neuen  bundesstaatlich-konstitutionellen  Fraktion  vereinigte
sich  alles,  was  dem  Bunde  mit  Preußen  widerstrebte,  die  sogenannten
Partikularisten,  die  es  indessen  nur  auf  wenig  über  ein  Dutzend  Mitglieder
  brachten.  Es  mischten  sich  Elemente  untereinander,  die  sehr
bald  weit  auseinander  geflogen  sind.  Man  denke  an  die  Sachsen
Oehmichen,  Gebert,  Günther,  Sachße,  Schwarze,  an  die  Schleswig-Holsteiner
  Graf  Baudissin,  Francke,  Schleiden,  Haenel,  Jensen,  Lorentzen,
an  die  Hanoveraner  Graf  Grote,  v.  Münchhausen,  v.  Hammerstein,  an  die
preußischen  Ultramontanen  Reichensperger,  Windthorst,  v.  Mallinckrodt  r2c.

Die  numerisch  stärkste  Partei,  die  vor  fünfundzwanzig  Jahren  der
Wahlurne  entstieg,  war  die  konservative  Partei,  wenn  man  dazu  die
später  gebildeten  Fraktionen  „Freie  konservative  Vereinigung  (Stamm
der  späteren  „Freikonservativen")  und  des  Centrums,  zu  dem  sich  die
Altliberalen  wie  v.  Bernuth,  v.  Bethmann,  v.  Patow,  v.  Vincke  u.  s.  w.
vereinigten,  zählt,  zusammen  etwa  115  Mann.  Dazu  kam  noch  ein
Teil  der  sogenaunten  „Wilden“,  in  deren  Reihen  neben  den  ersten
Socialdemokraten  Bebel  und  Schraps  aus  Sachsen  sich  sehr  konservative