Volltext : Central-Blatt für das Deutsche Reich. Zweiundzwanzigster Jahrgang. 1894. (22)

verarbeitenden  Material  und  dergleichen  zu  erwartenden  Ausbeuteverhältnisses,  anzugeben;



3.  hieraus  unter  Zugrundelegung  des  von  dem  Reichsschatzamt  gemäß  §.  7  mitgetheilten
Verhältnisses  zwischen  der  in  der  letztvergangenen  Kontingentsperiode  hergestellten
Gesammtmenge  an  Alkohol  überhaupt  und  der  in  dem  gleichen  Zeitraume  zu  dem
niedrigeren  Verbrauchsabgabesatze  hergestellten  oder  als  hergestellt  in  Ansatz  gebrachten
Alkoholmenge  das  Kontingent  zu  berechnen,  das  der  Brennerei  für  die  abgelaufene
Kontingentsperiode  zuzuweisen  gewesen  wäre,  falls  die  Neuveranlagung  für  diese
Geltung  besessen  hätte.  Bei  der  Neuveranlagung  von  gewerblichen  oder  Melasse,
Rüben  oder  Rübensaft  verarbeitenden  Brennereien,  die  einen  unregelmäßigen  Betrieb
gehabt  haben,  und  von  solchen  Brennereien,  die  während  der  ganzen  Dauer  der
abgelaufenen  Kontingentsperiode  geruht  haben,  ist  jedoch  niemals  ein  höheres  Kontingent
  in  Ansatz  zu  bringen,  als  die  Brennerei  für  die  abgelaufene  Kontiugentsperiode
  thatsächlich  besessen  hat.

c)  Bei  Erstattung  des  Gutachtens  sind  der  Umfang  der  Betriebsanlagen,  die  Betriebsverhältnisse
  und  bei  landwirthschaftlichen  Brennereien  insbesondere  die  landwirthschaftlichen
  Verhältnisse  zu  berücksichtigen,  auch  sind  der  Betriebsumfang  und  das  Kontingent
gleichartiger,  unter  ähnlichen  Verhältnissen  arbeitender  Brennereien,  die  während  der
letztvergangenen  Kontingentsperiode  regelmäßig  betrieben  worden  sind,  zur  Vergleichung
heranzuziehen.

d)  Die  Direktivbehörde  hat  das  Gutachten  der  Kommission  zu  prüfen,  nöthigenfalls  weitere
Erhebungen  zu  veranlassen  und  hierauf  das  Kontingent  festzustellen,  das  der  Brennerei
für  die  abgelaufene  Kontingentsperiode  zuzuweisen  gewesen  wäre,  falls  die  Neuveranlagung
  für  diese  Geltung  besessen  hätte.

Das  Ergebniß  ist  dem  Brennereibesitzer  mitzutheilen.  Auf  die  getroffene  Entscheidung
finden  die  Vorschriften  im  §.  4  Absatz  1  und  2  Anwendung.

§.  11.

Das  im  §.  10  vorgeschriebene  Verfahren  darf  bei  solchen  kleinen  Brennereien  (§.  13  des
Gesetzes  vom  24.  Juni  1887),  die  bisher  kontingentirt  gewesen  sind,  einen  regelmäßigen  Betrieb
jedoch  nicht  gehabt  haben,  auch  dann  angewendet  werden,  wenn  ein  schriftlicher,  den  Anforderungen
des  §.  8  Absatz  2  entsprechender  Antrag  nicht  eingereicht,  die  Neueinschätzung  der  Brennerei  jedoch
bis  zum  15.  November  1893  bei  der  Steuerbehörde  oder  einem  Steueraufsichtsbeamten  zu  Protokoll
beantragt  worden  ist.  Von  der  Anhörung  vereideter  Sachverständiger  darf  bei  unregelmäßig
betriebenen  und  neu  entstandenen  Brennereien  dieser  Art  abgesehen  werden,  sofern  sie  nicht  vom
Brennereibesitzer  beantragt  wird.

Für  Brennereien,  deren  Betrieb  als  unregelmäßiger  anerkannt  worden  ist,  weil  die  Brennerei
besonderer  Umstände  halber  außer  Stande  war,  ihr  Kontingent  vollständig  herzustellen,  sowie  für
Brennereien,  die  während  der  ganzen  Dauer  der  abgelaufenen  Kontingentsperiode  geruht  haben,
kann  unter  Zustimmung  des  Brennereibesitzers  von  der  Direktivbehörde  genehmigt  werden,  daß  von
den  im  §.  10  vorgeschriebenen  Ermittelungen  Abstand  genommen  und  das  bisherige  Kontingent
unverkürzt  in  Ansatz  gebracht  wird.

§  12.  
Bis  zum  1.  August  1894  haben  die  Direktivbehörden  der  obersten  Landesfinanzbehörde                                                                                                                                                                                                                   V. Schlußfeststellung  der                                                                                                                                                                                    für die Kontingentsperiode

eine  Nachweisung  nach  dem  Muster  der  Anlage  3  einzureichen.                                                                                                                                                                               1890,93  in  Rechnung  kom-                                                                                                                                                                               menden

  Kontingente.

In  Spalte  1,  2  oder  3  dieser  Nachweisung  sind  in  je  einer  Summe  diejenigen  Mengen     3.   
reinen  Alkohols  aufzunehmen,  welche
a)  als  bisher  durchschnittlich  zu  dem  niedrigeren  Verbrauchsabgabesatze  hergestellt,  für
diejenigen  Brennereien  in  Ansatz  zu  bringen  sind,  über  deren  Beschwerden,  betreffend  die
Abänderung  des  in  Rechnung  zu  stellenden  Kontingents,  gemäß  §.  2  unter e  bis  i
erst  nach  Einreichung  der  Nachweisung  zu  §.  5  endgültig  entschieden  worden  ist;
b)  bisher  durchschnittlich  zu  dem  niedrigeren  Verbrauchsabgabesatze  von  denjenigen
Brennereien  hergestellt  worden  sind,  bezüglich  deren  erst  nach  Einreichung  der  Nach-6