Metadata : Bei den Fahnen des III. Armeekorps von Metz bis le Mans.

—  110  —

schon  ein  weiterer  Vorfall  zur  Kenntnis  des  Generals  von  Rantzau  ge—
bracht  wurde;  ein  Chevauleger  war  von  einer  Anzahl  unbewaffneter
Briarer  Bürger  vom  Pferde  gerissen  und  an  den  Kanal  geschleppt  worden,
um  ertränkt  zu  werden;  andere  Bürger  hatten  ihn  noch  rechtzeitig  in
Schutz  genommen.  Er  selbst  erkannte  einige  Perfonen  auf  der  Straße,
als  Mitglieder  der  Bande,  die  den  Mordversuch  auf  ihn  gemacht  hatte.
Auch  diesmal  wurde  dennoch  Briare  weder  verbrannt  noch  geplündert;
es  wurde  eine  regelmäßige  Untersuchung  eingeleitet,  einige  Dutzend  Personen
  verhaftet  und  eine  Zeit  lang  die  verdächtigsten  gefangen  gehalten;
schließlich  kamen  alle  ohne  Strafe  davon.  Der  Stadt  wurde  eine  Strafkontribution
  von  20,000  Franken  auferlegt  und  auch  diese  schließlich  auf
12,000  Franken  vermindert.  Liest  man  diese  Dinge,  so  könnte  man  eher
versucht  sein,  eine  allzu  große  Milde  zu  tadeln,  statt  der  von  den  Franzosen
  uns  angedichteten  Barbarei.  Allein  wir  können  uns  doch  der  Ehrerbietung
  vor  der  Selbstbeherrschung  unserer  Landsleute  nicht  entschlagen,
die  selbst  dem  Meuchelmord  gegenüber  sich  nicht  verleugnete.  Obgleich
der  Verfasser  seinen  speziellen  Landsleuten  nicht  das  gleiche  bewundernde
Lob  zollt,  wie  der  preußischen  5ten  Division,  so  konstatiert  er  doch  die  im
allgemeinen  gute  Haltung  derfelben.  Daß  die  Franktireurgeschichte  nicht
strenger  bestraft  worden  war,  schien  bei  einem  Teil  der  Hessen  eine  gewisse
  Unzufriedenheit  hervorgerufen  zu  haben.  Der  Verfasser  tröstet  sich
mit  den  Worten,  daß  man  eben  nicht  jedermann  gefallen  könne."

Mich  und  v.  W.  traf  wieder  der  angenehme  Auftrag,
die  Vorposten  zu  übernehmen,  doch  hatte  ich  diesmal  den  besseren
  Teil  gezogen,  denn  während  die  Z3te  Kompanie  die  Feldwachen
  auszustellen  hatte,  übernahm  ich  das  Replis  der  Vorposten
  und  hatte  nur  in  dem  äußersten  Hause  Alarmquartier
zu  beziehen.  Ich  installierte  meine  Kompanie  in  einem  Winzerhause,
  das  mitten  in  einem  großen  Weinberge  lag,  zum  nicht
geringen  Entsetzen  des  Besitzers,  denn  ich  mußte,  um  einen
freien  Ausgang  bei  einem  etwaigen  Angriffe  zu  gewinnen,  durch
die  Weinstöcke  einen  breiten  Weg  bahnen  lassen.  Die  Nacht
verging  ruhig,  und  früh  im  Morgengrauen  erschien  eine  Eskadron
  Kürassiere  von  der  Iten  Kavallerie-Division,  die  Loire
aufwärts  gestreift  hatten,  und  brachte  die  Meldung,  daß  sie
keine  geschlossenen  Truppenteile  des  Feindes  angetroffen  hätten.
Befehle  zur  Fortsetzung  des  Marsches  lagen  noch  nicht  vor,
und  so  benützten  wir  denn  den  wahrscheinlichen  Ruhetag  vor
allen  Dingen  zu  dem  sehr  nötigen  Scharfmachen  der  Pferde
und  zum  Ausbessern  der  dringendsten  Schäden  am  Schuhwerk.