Volltext : Deutsches Kolonialblatt. XIX. Jahrgang, 1908. (19)

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Rücklage  in  den  Spezialreservefonds  den  Betriebsausgaben
  der  gesamten  Verkehrsanlagen  zu,  so
steigen  die  Ausgaben  auf  597  431  und
bringen  den  Betriebskoeffizienten  von  58,50  auf
80,4  v.  H.  in  die  Höhe.  Der  Überschuß  würde
dadurch  auf  145  168,92  J  und  der  Prozentsatz
der  Verzinsung  des  Anlagekapitals  auf  1,58  v.  H.
herabgedrückt.

Inzwischen  hat  sich  indes  die  Erkenntnis
geltend  gemacht,  daß  die  vorgenannten  Rücklagesätze
  für  die  Bahnen  etwas  zu  hoch  bemessen
sind;  ihre  Anwendung  läßt  daher  das  wirtschaftliche
  Erträgnis  der  Bahnunternehmung  in  einem
etwas  zu  ungünstigen  Lichte  erscheinen  und  legt
in  unerwünschtem  Maße  Geldmittel  dauernd  fest,
die  dadurch  der  anderweiten  Verwendung  zu
werbenden  Zwecken  entzogen  werden.  Aus  diesen
Gründen  sind  die  oben  gedachten  Rücklagesätze
für  die  Bahnen  nach  eingehender  Prüfung  mit
Wirkung  für  das  Rechnungsjahr  1908  auf  folgende
  Werte  ermäßigt  worden:

Für  den  eisernen  Oberbau  von  3  auf  2  v.  H.
des  Beschaffungswertes,  für  die  Lokomotiven  von
5  auf  2½  v.  H.,  für  die  Wagen  von  3  auf  1½
v.  H.  des  Beschaffungswertes.  Der  Satz  von
6  v.  H.  für  Holzschwellen  konnte  beibehalten  werden,
  da  Holzschwellen  nur  in  geringem  Umfange
zur  Anwendung  kommen.

Bei  Annahme  dieser  Rücklagesätze  ist  eine
Lebensdauer  zugrunde  gelegt  für  den  eisernen
Oberbau  von  30  Jahren,  für  Holzschwellen  von
15  Jahren,  für  Lokomotiven  von  25  Jahren  und
für  Wagen  von  35  Jahren.  Diese  Lebensdauer
dürfte  den  Bedingungen  des  Betriebes  auf  den
Schutzgebietsbahnen  mit  ihrer  geringeren  Fahrgeschwindigkeit,
  den  leichteren  Betriebslasten  und
dem  schwächeren  Zugverkehr  entsprechen.  Hiernach
ergibt  sich  nach  den  ermäßigten  Rücklagesätzen  eine
jährliche  Rücklage  für  die  Togobahnen  von  nur
59  000  .¾  statt  122  000  “  (63  000  ¼¾  weniger).
  Der  Betrag  von  36000  .7¼  für  die  Landebrücke
  bleibt  zunächst  unverändert.  Es  werden
demnach  künftig  vom  Rechnungsjahre  1908  an
zunächst  jährlich  95  000  x  in  den  Erneuerungsfonds
  zurückgelegt;  dieser  Betrag  erhöht  sich  entsprechend,
  sobald  die  in  der  Ausführung  begriffene
Berlängerung  der  Landebrücke  vollendet  sein  wird.
Außerdem  find  in  einen  Spezial-Reservefonds  zur

 

Bestreitung  von  Ausgaben,  die  durch  größere
Unfälle  oder  Elementarereignisse  hervorgernfen
werden,  jährlich  5000  bis  10  000  “  zurückzulegen,
  welche  indes  als  Betriebsausgabe  verbucht
  werden.

Ülber  die  Verpachtung  der  gesamten  Verkehrsanlagen
  vom  Tage  der  Betriebseröffnung
der  Inlandbahn  an,  zunächst  bis  zum  31.  März
1908,  war  mit  der  Gesellschaft  Lenz  &  Co.  in
Berlin  am  5./12.  Februar  1907  ein  Vertrag  abgeschlossen
  worden.  Nach  diesem  Vertrage  hat
die  Pächterin  als  Pachtzins  von  den  Roheinnahmen
aus  dem  Personenverkehr  der  Landebrücke  die
Hälfte,  aus  dem  Güterverkehr  der  Landebrücke
je  3  /“  für  die  Tonne  beförderten  Guts  und
ein  Drittel  der  übrigen  Roheinnahmen  des  Betriebes
  zu  zahlen,  mindestens  aber  den  über  110
v.  H.  der  Betriebsausgaben  aufkommenden  Teil
der  Betriebseinnahmen.

Nach  der  Abrechnung  für  die  abgelaufene
Pachtzeit,  die  sich  indes  auf  14  Monate,  nämlich
vom  1.  Febrnar  1907  bis  31.  März  1908,  erstreckt,
beläuft  der  Pachtzins  sich  tatsächlich  auf  275028.#/7.
Am  1.  April  1908  trat  ein  neuer  Pachtvertrag
in  Kraft,  der  mit  der  Deutschen  Kolonial-Eisenbahnbau=
  und  Betriebsgesellschaft  in  Berlin  auf
12  Jahre  abgeschlossen  ist  und  also  am  31.  März
1920  abläuft.  In  diesem  ist  von  der  Pächterin
ein  Mindestpachtzins  von  306  500  .7  gewährleistet,
während  die  Betriebseinnahmen  nach  Abzug  der
Betriebsausgaben,  des  gewährleisteten  Mindestpachtzinses
  und  einer  Enutschädigung  für  die  Pächterin
  im  Betrage  von  30  000  //,  mit  9/10  dem
Schutzgebietfiskus,  mit  1/10  der  Pächterin  zufallen-Wenn

  man  fordert,  daß  das  Anlagekapital
der  Verkehrsanlage  —  rund  9  161  000  7  —
mit  4  v.  H.  verzinst  und  mit  0,6  v.  H.  jährlich
getilgt  werden  soll,  so  hätte  der  Betriebsüberschuß
ohne  die  erforderlichen  Rücklagen  421  4066.
und  mit  diesen  Rücklagen  künftig  421  406  —
95  000  /,  zusammen  rund  516  406  4  zu
betragen.  Wie  man  sieht,  sind  die  Verkehrsanlagen
  in  Togo  von  diesem  Ziel  heute  noch
ziemlich  fern;  immerhin  erscheint  die  Hoffnung
nicht  unbegründet,  daß  es  in  einigen  Jahren  erreicht
  wird,  wenn  man  die  Steigerung  der  Roheinnahmen
  aus  dem  Verkehr  der  Landebrücke  von
Lome  in  den  letzten  drei  Rechnungsjahren  in