Full text : Blätter für Rechtsanwendung. LX. Band. (60)

Schuh  d.  guten  Glaubens  b.  Pfändung  v.  Hyp.-Forderungen.  117

theil  für  seine  eigene  Forderung  auf  die  erlangte  Ueberweisung
  verzichten.  Es  ist  schließlich  nicht  recht  einzusehen,
  wie  so  der  wirkliche  Eigenthümer  der  Forderung
einen  Schaden  erleiden  oder  nicht  erleiden  soll,  je  nachdem
der  Pfändungsgläubiger  die  Ueberweisung  zur  Einziehung
oder  die  Ueberweisung  an  Zahlungsstatt  gewählt  hat.
Der  Unterschied  zwischen  beiden  Ueberweisungsarten  besteht
  im  Grund  genommen  nur  in  der  Art  und  Weise,
wie  der  Pfändungsgläubiger  die  Stelle  seines  Schuldners
dem  Drittschuldner  gegenüber  vertritt.  Bei  der  Ueberweisung
  zur  Einziehung  erlangt  er  dessen  Einziehungsrechte,
  bei  der  Ueberweisung  an  Zahlungsstatt  dessen
Eigenthumsrechte,  in  beiden  Fällen  also  nichts,  wenn
der  Schuldner  solche  Rechte  nicht  besitzt.  Für  den  Drittschuldner
  ist  es,  sofern  die  Forderung  besteht  und  fällig
ist,  an  sich  völlig  gleichgültig,  ob  sich  die  auf  Zahlung
gerichtete  Klage  des  Pfändungsgläubigers  auf  die  eine
oder  andere  Art  der  Ueberweisung  stüäützt.

Der  Gläubiger,  der  auf  ein  seinem  Schuldner  nicht
gehöriges  Grundstück  mit  Beschlagnahme  greift,  setzt  sich
der  Widerspruchsklage  des  wirklichen  Gläubigers  aus,
ohne  sich  gegenüber  demselben  auf  die  Eintragung  seines
Schuldners  im  Hypothekenbuche  berufen  zu  können;
welcher  gesetzgeberische  Grund  sollte  nun  für  eine  dem
Vollstreckungsgläubiger  günstigere  Behandlung  der  Forderungspfändung
  sprechen?

Schließlich  sei  noch  eines  hervorgehoben!  Für  die
gegenwärtige  Meinung  des  Reichsgerichts  kann  so  wenig
wie  für  seine  frühere  ein  praktisches  Bedürfniß  angeführt
werden;  auch  die  Auffassung  des  Lebens  ist  einer  Privilegirung
  des  vollstreckenden  Gläubigers  ungünstig.  Wenn
aber  in  der  Theorie  sich  über  die  Auffassung  eines  Gesetzes
verschiedene  Ansichten  bilden,  welche  sämmtlich  vom  Wortlaut
  des  Gesetzes  getragen  werden,  so  hat  sich  der  praktische
  Richter  nicht  derjenigen  anzuschließen,  welche  die
feinste  juristische  Construction  bietet  und  die  vielberufene