Schuh d. guten Glaubens b. Pfändung v. Hyp.-Forderungen. 117
theil für seine eigene Forderung auf die erlangte Ueberweisung
verzichten. Es ist schließlich nicht recht einzusehen,
wie so der wirkliche Eigenthümer der Forderung
einen Schaden erleiden oder nicht erleiden soll, je nachdem
der Pfändungsgläubiger die Ueberweisung zur Einziehung
oder die Ueberweisung an Zahlungsstatt gewählt hat.
Der Unterschied zwischen beiden Ueberweisungsarten besteht
im Grund genommen nur in der Art und Weise,
wie der Pfändungsgläubiger die Stelle seines Schuldners
dem Drittschuldner gegenüber vertritt. Bei der Ueberweisung
zur Einziehung erlangt er dessen Einziehungsrechte,
bei der Ueberweisung an Zahlungsstatt dessen
Eigenthumsrechte, in beiden Fällen also nichts, wenn
der Schuldner solche Rechte nicht besitzt. Für den Drittschuldner
ist es, sofern die Forderung besteht und fällig
ist, an sich völlig gleichgültig, ob sich die auf Zahlung
gerichtete Klage des Pfändungsgläubigers auf die eine
oder andere Art der Ueberweisung stüäützt.
Der Gläubiger, der auf ein seinem Schuldner nicht
gehöriges Grundstück mit Beschlagnahme greift, setzt sich
der Widerspruchsklage des wirklichen Gläubigers aus,
ohne sich gegenüber demselben auf die Eintragung seines
Schuldners im Hypothekenbuche berufen zu können;
welcher gesetzgeberische Grund sollte nun für eine dem
Vollstreckungsgläubiger günstigere Behandlung der Forderungspfändung
sprechen?
Schließlich sei noch eines hervorgehoben! Für die
gegenwärtige Meinung des Reichsgerichts kann so wenig
wie für seine frühere ein praktisches Bedürfniß angeführt
werden; auch die Auffassung des Lebens ist einer Privilegirung
des vollstreckenden Gläubigers ungünstig. Wenn
aber in der Theorie sich über die Auffassung eines Gesetzes
verschiedene Ansichten bilden, welche sämmtlich vom Wortlaut
des Gesetzes getragen werden, so hat sich der praktische
Richter nicht derjenigen anzuschließen, welche die
feinste juristische Construction bietet und die vielberufene