12 Vorgeschiehte der Akadeinie.
und Anlagen. auf denen sie allein sprossen und Früchte tragen«'.
Eine Akademie in sich darstellend, so hatte ihn Friepricn der Grosse
gefeiert, »vom Himmel mit einer der bevorreehteten Seelen bedacht,
ja mehr als eine Seele habend«. In der That, er war exacter
und speculativer Philosoph, Theolog, Jurist, Ilistoriker, Politiker,
Sprachforscher, Physiker und in allen Zweigen der Naturbetrachtung
ein sorgsamer Beobachter, dazu Experimentator und Constructeur.
‘r selbst hat den Umfang seines Wissens, das durclı das treueste
Gedächtniss befestigt war”, darauf zurückgeführt, dass er, weil Autodidakt,
niemals Hohles und zu Verlernendes gelernt und dass er
in jeder Wissenschaft stets nach Neuem getrachtet, auch wenn er
kaum die ersten Schritte in ihr gethan habe. Selbst bei guten
Köpfen pilegt das Ergebniss einer solchen Haltung ein schr trübes
zu sein: sie löst also das Räthsel nicht, wie hier in einem Menschenleben
geleistet worden ist, was sonst nur die vereinten Anstrengungen
einer ganzen Generation zu erringen verinögen.
Sein freudiger Fleiss und seine rastlose Thätigkeit, die wundersame
Vereinigung extensiver Empfänglichkeit und intensiver Fruchtbarkeit,
kühnster Conception und nüchternster Ausarbeitung, entsprangen
der Positivität seiner universalen Begabung. In ihr lag
die Quelle seiner umfassenden Wirksamkeit. In dieser Richtung ist
keines seiner Worte charakteristischer, als jenes Bekenntniss, das
er gegen Ende seines Lebens (in einem Brief an REnonp DE MoNTMaUR
vom Jahre 1714) abgelegt hat: »Ich habe gefunden, dass die meisten
Schulen in einem guten Theil dessen, was sie behaupten, Recht
haben, aber nicht ebenso in dem, was sie verneinen«. Hiermit
sind die öfters wiederholten Worte zu vergleichen, dass auch in
Büchern, »so am wenigsten geistreich sind«, sich immer ein oder
ander guter Gedanke finde’. Überall stiess sein Auge zuerst auf
das Gute, Probehaltige, Productive und hielt es fest: bei dem Fal-!
Siehe L. Feversacn. Darstelluug. Entwicklung und Kritik der Leissirz’schen
Philosophie, 2. Ausgabe 1844 S.12.
? Sein Seeretär Ecxuarr selweibt über ilın (lebenslauf des Herrn vox Leinnız.
in Murr's Journal z. Kunstgesch. u. Litt. Bd. VII 8.199): »Er las zwar viel und
excerpirte alles. machte auch fast über jedes curiose Buch seine Reflexiones auf
kleine Zetteln; sobald er sie aber geschrieben, legte er sie weg und sahe sie nicht
wieder, weil seine Memoire unvergleichlich war.«
®? Siehe GunrAaver, Leissırz's Deutsche Schriften, 2. Bd. 1840 8.301. Hierher
gehört auch der Ausspruch: »Die Wahrheit ist verbreiteter als mıan glaubt, aber
oft verlüllt: indem man ihre Spuren bemerkbar macht, findet man eine bleibende
Philosophie«.