Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

Nummer  u3

gerrerbände  haben  jede  Minute  des  klaren  Winterwetters
  für  Aufklärung,  Artillerie-Einschieben
  und  Kampf  ausgenutzt.

Trobdem  Besatzung  und  Flugzeug  unter
Hrengster  Kalle  zu  leiden  halien,  ist  wic  bieher
Hervorragendes  von  uneeren  erprobten  Fliegern
geleistet  worden!

Der  Gegner  hat  im  verflossenen  Monat  fast
riermal  so  viele  Flugzeuge  verloren  wie  wir.
Unsere  Erkundungs-,  Artillerie  und  Infanterieflieger
  haben  besonders  schwierige  Aufgaben
zu  lösen  gehabt.  Wir  werden  in  der  nächsten  (zeit
ersahren,  daß  sie’  in  engster  Zusammenarbeit
mit  unseren  Fromtruppen  und  unterstützt  von
unseren  rorzüglichen  Flugabwehrkanonen  diese
ihre  wichtige  Aufgaben  glänzend  gelöst  haben.

Die  näheren  Angaben  über  die  feindlichen  u.
deutschen  Flugzeugverluste  im  Februar  gibt  folgende
  Liste:  I

1.  Feindliche  Flugzeugverluste:
Im  Westen:  Dieeseits  der  deutschen  Linien  30
53

jenseits

Zusammen  83
Im  Osten:  Dieeseile  der  deulschen  Linien  7
jenseits  1
Zusammen  8

2.  Deutsche  Flugzeugverluste.
Im  Weslten:  Diesseite  der  deutschen  Linien  3
jenseits  12

Zusammen  20
Im  Osten:  Diesseits  der  deutschen  Linien  2
jenseits  2
Zusammen  4

Außerdem  wurde  im  Westen  ein  Fesselballon
durch  einen  deutschen  Flieger  brennend  zum  Absturz
  gebracht.  91  abgeschossenen  feindl.  Flugzeugen
  steht  der  Verlust  von  24  deutschen  gegenüber.
  .

«  der  senpr  zu  See.

Amerilkanischer  Dampfer  versenkt?

Amsterdam,  15.  März.  Das  Büro  Vas
Diaz  meldet:  Der  amerikanische  Dampfer  „Algankin“
  ist  durch  ein  deutsches  Unterseeboot  versenkt
  worden.  Am  10.  März  meldete  der
„Newyork  Herald“,  daß  drei  weitere  Versuchs-Vcchiffe
  nach  Häfen  der  Berdandsstaaten  unterwegs
  seien,  darunter  der  „Algankin“.  Das
Schiff  soll  ebenso  wic  die  beiden  anderen  Schiffe
nicht  bewaffnet  gewesen  sein.  Nach  einer  Reutermeldung
  glaubt  man,  daß  die  Versenkung
an  der  gegenwärtigen  Lage  zwischen  den  Vereinigten
  Staaten  und  Deutschland  nichls  ändern
werde.  Erst  wenn  ein  bewaffneles  amerikanisches
  Handelsschiff  einem  deutschen  U-Boot
begegne,  werde  der  Kampf  entbrennen.

Bor  der  Enisqeldung.

Die  schwüle  Stimmung,  die  der  Entladung  cines
  Gewitters  vorausgeht,  beherrscht  jetzt  alle
Welt.  Der  Untersee  Boot-Krieg  wird,  unbeirrt
ron  Drohungen  und  Widerftänden,  mit  aller
Scchärfe  fortgesetzt.  Unsere  Feinde  wissen  heute
schon,  daß  sie  diese  Abschnürung  von  allem  Nöligsten
  nicht  lange  aushalten  konnen.  Wenn  sie
aber  wähnen,  wir  säßen  mit  verschränkten  Armen
  da  und  warteten  das  Ende  ourch  den  ll.
Woot  Krieg  ab,  dann  dürflen  sie  sich  im  Irrtum
lefinden.  Unser  Hindenburg  schlast  nichl,  und
die  Entscheidung  auf  dem  Kontinent  wird  lang.
sam  vorbereitet.  Immerhin  ist  es  llar,  daß  die
buldige  Herbeiführung  einer  Entscheidung  im
Westen  im  ureigensten  Interesse  unserer  Gegner
  liegt.  Daß  sie  die  notwendigen  Verslärkungen
  an  Menschen  und  Munition  auf  dem  Kontinent
  nicht  mehr  erhallen,  dafür  sorgen  unsere
U.  TaAte.  Die  farbigen  Hilfslruppen  aus  den
Kolonien,  die  sie  sonst  immer  zum  Frühjahr
herangebracht  haben,  können  die  smal  zu  Hause
bleiben.  Unsere  Feinde  werden  sich  mit  dem
Material,  das  sie  gegenwärtig  noch  besitzen,
einrichten  müssen.  In  der  Opferung  von  Mannschaften
  und  in  der  unfinnigen  Verschwendung
von  Munition  werden  sie  vorsichtiger  sein  müssen,
  als  bisher.  In  dieser  Situation  bewaffnet
  Wilson  seine  Handelsschiffe  gegen  uns,  weil
wir  nicht  mehr  dulden  wollen,  daß  sie  in  ungezählten
  Massen  Mordmittel  gegen  uns  nach  den
seindlichen  Ländern  trausporlieren.  Als  die  Engländer
  den  sehr  bedeutenden  amerikanischen  Haudelsverkehr
  mit  uns  abgeschnitten  haben,  hat
Wilson  seine  Handelsschiffe  nicht  bewaffnet.  Wir
alle  wissen,  daß  zur  Herbeiführung  der  Entscheidung
  noch  ein  letztes  gewaltiges  Zusammenrafsen
  aller  unserer  Kräfte  nötig  ist.  Auf  unsere
Soldaten,  auf  diese  Heldensöhne  unseres  Volkes,
  können  wir  uns  verlassen.  Und  sie  sind  sich
dessen  bewußt,  daß  der  Erfolg  nur  dann  gesichert
  ist,  wenn  sie  pflichtgetreu  das  Uebermenschliche
  vollbringen,  das  Hindenburg  von  ihnen  erwartet.
  Wir  aber,  die  Daheimgebliebenen,  haben
mit  W#uhe  und  Geduld  das  Resultat  zu  erwarten.
Es  gibt  Leute  unter  uns,  die  nicht  zufrieden  sind,
wenn  sie  nicht  jeden  Morgen  so  und  so  viele
Tausende  vernichteter  ———  zum  Frühstück
  verzehren  können.  Sie  machen  nur  die  anderen
  nervöser,  die  durch  die  ständig  steigende
Knappheit  der  Lebensmittel  —  wir  brauchen  da
gar  nichts  zu  vertuschen  oder  zu  beschönigen  —

 

A####  1n.—

schon  nervös  genug  sind.  Nach  alk  den  Opfern  u.
Mühen,  denen  wir  uns  in  biesem  Kriege  schon
unterworfen  haben,  wäre  es  lächerkich,  jetzt,  wo
alles  auf  die  Stärke  durch  geschlossene  Einigkeit
ankommt,  ungeduldig  zu  werden.  Es  wäre  der
schlechteste  Dank,  den  wir  unseren  Feldgrauen  u.
Blaujacken  erweisen  könnten.  Halten  wir  uns
lieber  an  den  Grasen  Hertling,  der  uns  in  goldenen
  Worten  zur  Einigkeit  und  Geschlossenheit
aufrief.  Was  dieser  Mann  jüngst  uns  ans  Herz
gelegt  hat,  war  im  wahrsten  Sinne  ein  rechtes
Wort  zur  rechten  Zeit.

 

Eine  bedealsane  Kede  des  Neicskauzlets.


Verlin,  14.März.

Zwischen  den  beiden  Häusern  des  preußischen
Landtages  ist  ein  schwerer  Konflikt  entstanden,
der  in  den  letzten  Tagen  sich  namentlich  im
Abgeordnetenhaus  entladen  hat.  Im  Herrenhaus
  will  man  von  einer  Neuorientierung  der
inneren  Politik  nach  dem  Kriege  offenbar  nichts
wissen.  Dies  kam  in  den  Reden,  die  in  den  letzten
  Sitzungen  im  Herrenhaus  gehalten  wurden,  in
einer  Weise  zum  Ausdruck,  die  nicht  mißverstanden
  werden  konn.  Und  die  Verwerfung  des
Diätengesetzes,  über  welches  zuischen  dem  Abgeordnetenhaus
  und  der  Regierung  bereits  ein
Einrernehmen  bestand,  zeigte,  daß  man  den  Reden
  auch  die  Tat  folgen  lassen  will.  All  das
rief  im  Acgeordnetenhause  eine  politische
Schwüle  hervor,  bei  der  das  Herrenhaus  recht
schlecht  weggekommen  ist.  Am  Mittwoch  griff
auch  der  Reichskanzler  in  diese  Debatte  ein.
Er  hielt  dabei  eine  bedeutsame  Rede  über  den
neuen  Geist  in  Preußen  und  erteilte  in  dem  einen
  oder  anderen  Punkte  dem  Herrenhaus  eine
Absage.

So  sprach  er  sein  Bedauern  darüber  aus,
dab  das  Herrenhaus  das  Diüätengesetz  abgelehnt
hat;  er  bedauerte  auch  die  Form,  in  der  dies
geschah.  Ein  besonderes  Vertrauensvotum  sprach
der  Reichskanzler  dem  Reid-tag  aus  und  damit
  wandte  er  sich  wieder  gegen  die  Kritik,
welche  der  Reichstag  im  Herrenhaus  erfahren
hat.  Deutlich  sagte  der  Kanzler:  „Ich  bin  nicht
immer  der  Ansicht  des  Reich#lags  gewesen.  Aber
will  irgend  ein  Mensch  es  in  Zueifel  ziehen,
daß  der  Deutsche  Reichstag  in  den  jetzt  balod
drei  Jahren  dieses  Krieges  seinem  Volke
Dienste  geleistet  hat  wie  lein  anderes  Parlament
  der  Welt?“  Lebhafter  Befall  und  Bewegung
  folgte  diesen  Worien.  Der  Reichskanzler
sprach  dann  namentlich  auch  von  der  preußischen
Wahlrechtreform.  Er  erklarle,  daß  die  Reform
kommen  werde,  daß  aber  diese  Reform,  die  un.
zweifelhaft  zu  schweren  inneren  Kämpfen  führen
wird,  nicht  zu  einer  Zeit  in  die  Hand  genommen
  werden  kann,  wo  wir  noch  von  außen  vom
Feinde  berannt  werden,  weil  wir  während  dieser
Zeit  innere  Kämpfe  nicht  vertragen  können.
(Sehr  richtig!  und  Zurufe  linle.)

Der  Reichskanger  fuhr  dann  fort:  „Wir  wer
den  nach  dem  Kricg  vor  die  gewaltigsten  Aufga
ben  gesiellt  werden,  une  sie  je  einem  Wolle  be  ·;
schieden  gewesen  sind  (Sehr  richtig),  vor  Auf
gaben,  die  so  gewaltig  sind,  daß  das  ganze
Volkl  in  allen  seinen  Schichten,  jedermann  im
Volk  mit  Hand  anlegen  muß,  wenn  wir  uno
überhaupt  herausarbeiten  wollen.  (Sehr  rich.
ig!)  Und  einc  slarle  auswärtige  Politik  werden
wir  auch  nach  dem  Krieg  notnendig  brauchen,
(Sehr  richtig!)  Wir  werden  von  Feinden  umgeben
  sein,  denen  wir  nicht  gegenübertreten  wollen
  mit  großen  Worten,  mit  Renommistereien,
mit  Sich  in  die-Brust  wersen,  sondern  mit  der
inneren  Stärle  des  Volles.  (Beifall.)  Eine  solche
  Politik  können  wir  nur  treiben,  wem  das
kaatliche  und  das  Vaterlandsbewußtsein,  das  in
diesem  Kriege  doch  in  ganz  neuen  und  uns  bisher
  unbekannten  Formen  zur  wunderbaren
Wirtklichleit  geworden  il,  rein  erhalten  und  gestärtt
  wird.  (Belfall.)  Eine  solche  Politik  der
Slärle,  eine  solche  innere  und  eine  solche  äuße#re
  Vol.ik  lôönnen  wir  nur  führen,  wenn  die
politischen  Rechte  der  Gesamtheit  des  Volkles
in  allen  seinen  Schichten  freudige  Mitwirkung
an  der  slaatlichen  Arbeit  ermöglichen.  (Beifall.)
Vor  dem  Krieg  sind  die  Interessen  der  Arbeiterschaft
  häuf.g  in  einen  angeblich  unversöhnlichen
Gegensatz  zu  den  slaatlichen  Interessen  u.  zu  den
Interessen  der  Arbeiterschaft  gestellt  worden.  Ich
hefse,  die#er  Krieg  kuriert  uns  endgültig  von  diesem
  Jrrwahn.“  (Bravo.)

„Wären  wir  nicht  entschlossen  alle  Folgerungen
  aus  dem  Erleben  dieses  Krieges  zu  ziehen,
dam  gingen  wir  inneren  Erschütterungen  ein
gegen,  deren  Tragweite  kein  Mensch  übersehen
kann.  (Sehr  richtig!  Links.)  Ich  werde  diese
Schuld  nicht  auf  mich  laden.  (Beisall  links.)  Wehe
  dem  Stantsmann,  der  die  Zeichen  der  Zeit
nicht  erkennt.  (Beifall  links),  wehe  dem  Staatsmann,
  der  glaubt,  daß  wir  nach  einer  Katastrophe,
  wie  sie  die  Welt  überhaupt  noch  nicht
esehen,  deren  Umfang  wir  Mitlebenden  und

ithandelnden  überhaupt  noch  gar  nicht  verstekömen

  (Sehr  richtig!  rechts),  der  nach  einer
olchen  Katastrophe  glaubt,  er  könne  einfach  wieder
  ankuipfen  an  das,  was  vorher  war  (Beidaß
  er  neuen  und  jungen  Wein  in  die
äuche  füllen  könnte,  ohne  dah  sie  zer- 



1
sprängen?  Wehe  dem  Staatsmann!"  (Beifall.)

 

babe
missioniert.

Die  Rede  der  Reichslanzlers  war,  wie  die
Berliner  Presse  anerlennt,  einer  der  besten,  die
er  je  gehalten.  Sie  wirkie  namentlich  wegen  ihres
  impror#sierten  Eindruckes.  Der  Sozialdemo
krat  Leinert,  der  nach  dem  Kanzler  sprach,  sagie,
daß  die  Rede  des  Kanzlers  eine  Stärkung  des
Vertrauens  im  Wolle  zu  seinem  leitenden
Staatsmanne  bewirken  w#ll.  Dieses  Urteil  ist
von  hohem  Wert.  Der  Reichskanzler  war  sich
aber  auch  klar,  daß  er  sich  im  Gegensatz  zum
Herrenscht  setzt,  und  damit  sind  die  kommenden
  Kämpfe  bereits  angedeutet.  Sich  und  seinen
  etwaigen  Nachfolgern  hat  der  Neichskanzler
aber  mit  der  Bestimmtheit  seiner  Rede  den  Weg
der  ferneren  Politik  vorgeschrieben.  1

——

Vereinfachung  der  Rechtspflege.

Dem  Reich-tag  ist  der  Entwurf  eines  Geset
zes  zur  Vereinfachung  der  Rechtspflege  zugegangen.
  Dieses  Gesetz  soll,  soweit  es  ohne  Schsdigung
  der  Interessen  ber  Recktspflege  und  der
Allgemeinheit  erfolgen  kann,  in  noch  weiterem
Umfange  als  bisher  Kräfte  der  Justizverwaltung
  für  Heereszwecke  freimachen.  Der  Verordnungsweg
  und  Verwalltungemahnahmen  allein
reichen  dafür  nicht  aus.  Vielmehr  können  wie
in  der  Begründung  hervorgehoben  wird,  weitere
Kräfte  nur  durch  gesetzliche  Maßnahmen  gewonnen
  werden.  Solche  Mahnahmen  schlagt  der
Emwurf  vor.  Sie  beziehen  sich  auf  die  Gerichtsverfassung
  und  auf  das  Verfahren  in
bürgerlichen  Rechtsstreitigkeiten  sowie  in  St##
sachen.  Der  allgemeinen  Reform  soll  damit  nicht
vorgegriffen  sondern  nur  einc  vorläufige  Regelung
  für  die  Kriegszeit  und  für  die  Zeit  der
Ueberleitung  in  die  Friedensverhälinilse  getrofsen
  werden.  Der  Vorschlag  siehn  vor.  daß  die
Amtsgerichte  bei  Uebertretungen  und  Verge-Ven
  leichtester  Art  ohne  Schöffen  entscheiden  und
Strafkammersachen  noch  mehr  als  bioher  vom
Staatsanwalt  an  die  Schöffengerichte  gebracht
werden  können.  Einige  Schwurgerichtssachen  fallen
  der  Strffammer  zur  Aburieilung  zu.  Die
übrigen  Bestimmungen  bringen  in  der  Hauptsache
  eine  Herabsetzung  der  Zahl  der  Richter,
dei  der  Strafkammer  in  der  Bernfungeinsianz.
bei  der  Zivillammer  in  eriter  Inilanz  und  bei
den  Senaten  der  Oberlandesgerichte  eine  Verringerung
  der  Zahl  der  Geschworenen,  eine
Milderung  des  Verfolgungezwanges  der
Staatsanwaltichaft,  eine  Ausdehmung  des
Strafbefehles,  eine  Einschränlung  der  Privatklagen
  und  einige  Erleichlerungen  im  Strafverfahren
  selbst.

Eine  Entente-Rede  im  urcußischen

Landtuge.

Verlin,  15.  Marz.  Dic  drule  Veratung
des  preußischen  Haushallds-Eiale  wurde  Tonnerstag
  mu  einer  zweistündigen  Rede  deo  Abgeordneten
  Hoffmann  (Soztalo#mokrat  alter
Richtung)  ceroifnet.  Diese  war  außerordentlis
aufreigzend.  Außerdem  künd'gie  er  Enthüllungen
über  die  Gründe  zum  Frieden  an  und  nannte
den  Untersecboolslrieg  eine  vollerrechtswidrige
Mahnahme.  Es  lam  wiederholt  zu  Uürmischen
Auftritten.  Oossmann  erbiel!  mehrere  Ort.
nungeruse.  Nach  ihm  swoch  der  preußische  Land
mirttschafteminister  Frhr#.  Schorlemer,  der  dcl.
sen  Rede  dahinkenneichnele,  daßz  man  geglaubt
habe,  nicht  einen  preußischen  Volksvertreter,  son
dern  einen  Vertreter  der  Entente  zu  horn.

Der  Abg.  Adolf  Oofmann,  der  Vertreler  dewüstesten
  Berliner  Gaisentume,  leil.  12  bie  dr  ##
Lesung  des  Staatelmurhalter  im  Alutcordne.
tenhaus  durch,  einen  Erguß  ein,  der  dar  lel#
giöse  und  das  vulerlindische  Geinbl  der  Hauies
mit  vollberechneter  Absick!.  auf  dar  ichwersle
herausforderte.  Was  soll  man  von  einem  deulschen
  Bolksverireler  sagen.  der  in  diesem  Augenblick
  der  deutschen  Regierung  mit  Enthüllungen
über  ihre  angebliche  Schulo  u.n  Ausbruch  des
Krieges  in  dunklen  Andeulungen  droht,  die  bei
uns  zwar  überall  als  das  undrrantwortliche  Gerede
  eines  undr  ranzwortlichen  Menschen  gewurdigt,
  im  Ausland  aber  sicher  als  ungeheuer  bedeulungorrll
  ausgegeben  merden.  Was  soll
man  von  einem  deutschen  Abgeordneten  sagen
der  das  Uebergreifen  der  russischen  Revolution
nach  Deutsch  land  anlündigt  uno  wünscht  in  dem
Augenblick,  wo  das  deutscke  Volk  um  sein  Leben
  ringt:  Man  kann  in  der  Tat  laum  eiwas
darauf  erwidern,  als  mas  Herr  v.  Schorlemer,
dem  Abgecroneien  Ho#fmann  zu  verstehen  gab:
er  habe  geglaubl,  einen  ertreter  der  Entente
srrechen  zu  hören:  Die  lleine  radikale  Gruppe
lobte  ungeheuerliqk  und  rerlangte,  daß  der  Mimister
  zur  Ordnung  gerusen  wurde.

Unruhen  in  Südamerila.

Haag.  15.  März.  Die  Nachrichten  aus  Süd#
amerika  tragen  den  Charakter  innerer  Unruhen
in  den  einzelnen  Staaten.  Nachdem  der  Rücktritt
  der  peruanischen  Staatsregierung  gemeldet
war,  trifft  eine  Nachricht  aus  Costarica  ein,  derzufolge
  dort  ein  Staatsstreich  erfolgte.
Präsident  der  Nepublik,  Alfredo  Gonzalez,  sei
gestürzt  worden  und  hube  in  der  amerikanischen
Gesandtschaft  Unterkunft  gesucht.  In  Peru  sei
es  zu  blutigen  Zusammenstößen  zwischen  den
einzelnen  Parteigruppen  gekommen.  Ein  Abeordneter
  sei  angeblich  getölet,  ein  anderer
chwer  vermundet  worden.  Der  Minister  Bedoya

be  angeblich  wegen  der  Zwischenfälle  de- 



J

 

Samstag,  12.  Möärz  1017

Berschiedene  Nacuchten.

Spu  ndau.  15.  Marz.  Eine  gransige  2#
lal  wurde  in  Spandau  in  der  Moltkestraße  v.  ##
dem  Arbeiter  Lno  Schulz  begangen.  Ur###
schlug  den  auf  dem  gleichen  Flur  wolmende
77  jährigen  Arbeiter  Karl  Runge  in  cinem  An
fall  von  Geistesstöorung  mit  einem  Beil  und
Herfetzte  den  Leichnam  bis  zur  Unkennnlichkeii
Schulz  hatte  in  der  rergangenen  Nacht  einen
befugen  Fieberanfall.  AIrholck  dessen  wolile  sein
Franu  morgens?  den  Arzi  holcn.  Während  der
Abwesenheit  der  Frau  zerme  Schulz  den  zusällig
an  der  Flurture  vorübergebenden  Greis  in  seine
Wohnung  und  verübte  die  Tat.  Schulz  erlit.
sodann  einen  Schlaganfall,  dem  er  alsbald  er
lag.  Al=  die  Frau  mit  dem  Arzt  erschien,  san.,
sie  die  beiden  nebeneinanderliegend  in  der  Wot.
nung.

 

Bem  bauet.  Candiag.
#4tKünchen.  10.  März;

Am  Donnerstag  wurde  in  der  Kammer  der#
Abgeordneten  die  Beratungen  über  die  Anträge
betreffend  die  Uebergangswirtschaft  fortgesetz.
Abg.  Hubsch  (lib.)  setzte  seine  tags  zuvor  unter
brochenen  Ausfuhrungen  fort.  Er  besprach  di
Berwendung  des  Rapitals,  die  Exporlfor
derung,  die  Erfullung  der  kulturellen  und  so
zialen  Aufgaben,  die  Förderung  der  Industre
und  den  Ausban  der  Wasserkräfte,  verlange  di
Aufstellung  eines  wirtschaftlichen  Generalstab
nach  dem  Kriege  und  Beseitigung  aller  Ausnal
mebestimmungen.  Abg.  Robhaupter  (Sc;z)  er
örterte  Maßnahmen,  die  geeiguet  erscheinen,  d#
Uebergangswirtschaft  zu  erleichtiern.  Die  me
tigsie  dabei  i#t  die  Beschaffung  der  Rohnoft
und  deren  gerechte  Verteilung,  insbesondere  aus
an  die  Ueinen  Betriebe.  Dem  Handwerf  mütsen
Darlehen  zur  Verfügung  genellt  werden.  T
Landwirtschaft  will  seine  Partei  alle  Forderung
angedeihen  lassen,  notwendig  sei  aber  auch  ci:
auoreideender  Konsumentenschug.  Weirer  for
derte  der  Redner  den  Ausbau  der  Wasserkräf  c.
die  Regelung  der  Arbeitslosenrersicherung,  de
Zuruckdämmung  der  Frauenarbeit  und  del--Auebau
  des  Koalitionsrechtes.  Die  Abga
Beckh  (Fr.  Vag.)  und  Eisenberger  (Bbd.  er
Uarten  ihre  Zustimmung  zu  den  Ausschußn
trägen,  wobei  len#erer  sich  scharf  gegen  die
deikommisse  wandte.  ·

snkekAbenoiiIzunggrifizunäXmInmi.
rulis.MeinelindieDebmteenundsmtm«-einekNeibebonI-ragenZtetlunzndirzndi


T-elmt:ennftnnd;ten.Er1-etonleka!c.daj·,o

11e1·:m(17n1·.-mirtickmftdieNegimJisInnfkrsp
Standpunkt  finden  wird,  das,  Bayern  bri  alie
Maßnabmen  auf  diesem  Cobieic  seinen  volle:
Anteil  erhalt.  D#e  Rohsteffe  sollen  gleichm.
big  und  gleichzeitig  der  Groß'indusiric  u.  dem
Handwerk  zur  Vorfügung  geitellt  werden.  Dan
Handel  mird  die  möglickite  Mitwerlung  dabe
eingeraumt.  Die  jetzige  Frauenarb  i:  im  Kric
miuß  mieder  eingesc,  ränkt  werde:  Die  Kredi  fur
sorge  fur  das  Handwert  werd  eine  Hauptsorq-=der
  Regierung  sein:  auch  bie  Gemeinden  werden
Hichei  Mu'el  zur  Noerfqnng  fleller  hal#en-Mem
  zahlte  dann  icicre  Ma#nallnen  371
ederunm  der  Han###nad.  cem  Kric
uf  und  lonte  auck  den  Willen.  die  Industr.
in  Vanern  mieileilghend  à3u  fördern.  Beugh“
den  Vrpertes  nach  dem  Kr  eae  brauche  man  mich
EEIEEIIIIIILIIII  re.
EAÆäEöEEIIIIDEEE
nictung  nur  efordert  werden.  ionvit  1n,n
jammenick  lus.  nchl  auf  Koflen  der  K#mmumenc
gelle.  Von  hodter  Beden!nung  wird  sein.  da
die  aus  dem  riege  zurudflutenden  Arl.  i  erm
sen  genmeno  Mileden.

Weiter  iprna##n  noch  de  Alng.  Cor#u#l###n:
un?d  W  u’iauer  (I11.)  herer  erck  vale
Man##nalmen,  um  das  O#nouct  nach  dem  Krien
uleder  zu  leh#  n,  lenterer  Rcn  den.  An#n
des  gewerbl.  Nackichulussen  en  Iugenoschn
de  Säuglingssursorge.  den  Aushaa  der  Son

geseygebanu.  de  Umerinnnn  25llenb:
Mite.elstandsgruppen:  weier  u  rc  e
einem  ungesunden  l#xpilalilifchen  G#undertmnach

  dem  Krieg  und  ger  aner  liel  n
Auedruck.  daß  wir  auck  u  lil.  f  1.nnic  #
sammenbrec  en  lonnen.

–—.

Die  Beralung  urrd  em  ##den:

HRüngesee  RNeulgkeilen.

Munchen.  15.  März.  Der  Mord  an  der  W.
we  Schuikart  in  der  Zechstraße  in  noch  umme:
nicht  gellärt.  Die  Annahme,  daß  der  Titci
reischeucht  worden  ist,  wird  dadurch  bekraft:  #1.
daß  belanntlich  nicht  feitgestelll  werden  lonnic.
daß  ihm  ctwas  in  die  Hände  gefallen  111.
Frau  Schweickart  hatte  früher  ihr  Vermögen  lei
einem  Banlgeschäft  an  der  Löwengrube  ange
legl.  Während  des  Ki#  hatte  w6  das  Ged
mehrmals  gekündigt,  schließsich  aber  doch  immewieder
  stehen  lassen.  Am  9.  November  191,
fuhr  sie  m  Begleitung  einer  Belannten  im  An
tomobil  bei  dem  Bankgeschäft  vor,  wobei  sie  der
Frau  erzählte,  sie  werde  nun  ihr  Guthaben  ab.
heben.  Sie  nahm  aber  das  Geld  auch  diesmo!
nicht  selbit  mit,  sondern  verrinbarte,  daß  es  ihr
in  die  Wohmmg  geschickt  werde.  Die  Ueber-