zu einem so diskreten und verständigen französischen Vertreter, wie
es der damalige Botschafter in Berlin war, gesprochen haben
könnte. Bismarck hatte ja auch in Wien vom Kaiser Franz Joses
und Grafen Andrassy bestätigen hören, daß der Gortschakoffsche
Plan eines Bündnisses mit Frankreich an der Abneigung der Pa—
riser Regierung bisher gescheitert sei. Neben einer packenden Schilderung
des historischen Verlaufs der Kriege in der Mitte Enropas
darf man zu den starken Stellen in dem Bericht z. B. diese rechnen:
„Wenn England und Rußland samt ihren Satrapen Gelegenheit
fänden, sich in den Besitz der Türkei zu teilen — denn auf den
Antagonismus der beiden Weltmächte die
Hoffnung zu setzen, wäre wohl Wahnsinn —
dann hätten die Siege oder Niederlagen der mitteleuropäischen
Mächte allerdings den traurigsten Ausgang genommen, und ihr
Schicksal wäre besiegelt.“
Also bei der Berusung auf die Robolskysche Sammelschrift
zum Beweise für gelegentliche polenfreundliche Anwandlungen
Bismarcks im Kanzleramt bleibt ein non liquet. Der Bismarck
im Ruhestande ist jedenfalls bei seinen Angriffen auf den neuen,
von den alten „Reichsfeinden“ Zentrum und Fortschritt unterstützten
Polenkurs in Preußen fortwährend davon ausgegangen,
daß dieser den deutsch-russischen Beziehungen abträglich sei. Darin
ließ er sich auch durch den selbstherrlichen Dünkel nicht beirren, in
dem das Zarenregiment die Vergewaltigung des Baltikums durchführte
und periodisch den unterdrückten Kongreßpolen ein größeres
Maß von Freiheit in Kirche und Verwaltung verhieß, ohne sich dort
um deutsche Empsindlichkeiten und hier um etwaige Rückwirkungen
auf die preußischen Ostmarken im mindesten zu kümmern.
Neben der Sorge um die Pflege der Freundschaft mit Rußland
hat das Verhältnis zu England den Geist Bismarcks
nach seinem Sturze nur wenig beschästigt. Im Anfange
fehlte es nicht an abfälligen Bemerkungen über englische, durch
die Kaiserin Friedrich vermittelte Hofeinflüsse. Als aber in einer
Londoner Korrespondenz der Kreuzzeitung behauptet wurde, daß
zur Zeit des Berliner Thronwechsels 1888 eine starke Verstimmung
zwischen dem Londoner Kabinett und dem Berliner Auswärtigen
Amt bestanden hätte, gingen die Hamburger Nachrichten scharf da-41