46 Dr. Aloys Fischer.
körperliche Bildung überhaupt, in der Hoffnung, daß sie auch dem
Soldaten nutzt, aber sie hat nicht die Aufgabe, in erster Linie Soldaten
zu erziehen, das ist der spezielle Zweck des Heeres.
Sieht man aber die Sache so an, dann ist Jugendpflege von vornherein
nicht gleichbedeutend mit körperlicher Ertüchtigung. Es gibt
unendlich viel pflegerische Arbeit, feine und tiefe, psychologisch wirksame
pPflegerische Arbeit, die gegen die körperliche Ertüchtigung
völlig neutral ist. Es wäre falsch, Jugendpflege auf körperliche
Ertüchtigung der nachwachsenden Generationen einzuengen. Wenn
alle die Motive, die ich angedeutet habe, zutreffen, dann ist selbst
für die Frage der körperlichen Erziehung die militärische Form nur
eine, daneben gibt es pädagogisch ebenso berechtigte und wertvolle
andere Stilformen der körperlichen Erziehung. Es wäre wiederum
eine Verengung, so scheint mir, wenn wir die Vielheit und Mannigfaltigkeit,
die wir besitzen, zugunsten eines einförmigen und einheitlichen
Systems aufgeben würden. Wir Pädagogen können zu der
Frage ja schließlich so lange keine Stellung nehmen, als wir noch
gar nicht wissen, was sich auf Grund des Krieges in den Grundsätzen
der Ausbildung der Mannschaften des deutschen Heeres geändert
hat. Wir wissen nicht, werden wir nach dem Kriege eine
kürzere, eine längere Dienstzeit haben, wir wissen nicht, werden wir
einen früheren oder späteren Beginn der Dienstzeit haben. Wir
wissen nicht, wird die Ausbildung des Mannes bei der Truppe
ungefähr so erfolgen, wie sie abgekürzt jetzt im Kriege notwendig geworden
ist, oder wird sie wieder so erfolgen, wie sie in Friedenszeiten
üblich war. Das alles ist uns gänzlich unbekannt. Wir wissen
nur eins, daß wir auch nach dem Kriege ein großes, schlagbereites
und bis ins kleinste hinein gerüstetes Heer haben müssen, das wissen
wir sicher, und Offiziere und Pädagogen sollten gemeinsam überlegen,
was davon das Militär unter allen Umständen sich reservieren muß
und was davon von der Erziehung schon allmählich vorbereitet
werden kann.
Man hat darüber klagen gehört, daß gerade das Freiwilligkeitsprinzip
im Punkte der körperlichen Ertüchtigung, der militärischen
Jugendvorbereitung völlig versagt habe. Die Zahlen, die uns
darüber bekannt geworden sind, sprechen eine Sprache, die unter
allen Umständen verständlich ist. Es ist in der Tat so, daß wir in
manchen Städten nicht 10 v. H., in manchen höchstens 20 v. H.
der Jugendlichen in unsere freiwilligen Jugendwehren hereinbekommen
haben, und dies während des Krieges und obgleich allerlei
Verlockungen, wie Uniformen, Gewehre, Musik den Zugang
der Jugendlichen zu den Jugendwehren hätten begünstigen
können. Man sagt aber nun, im Interesse unserer künftigen
Sicherheit ist eine größere körperliche Ertüchtigung und
vermehrte militärische Vorbereitung wünschenswert und notwendig
und befürwortet aus diesem Grunde den Zwang, wenigstens
für die körperliche, die militärische Vorbereitung. Ich sage, wenn
die zuständigen Stellen, das wissen wir zurzeit nicht, der Ansicht
sind, daß jede Reform der Ausbildung während der Dienstzeit un-