494 Taubstummen- und Blindenunterricht.
Dieselben Lehrgegenstände treffen wir mit Ausnahme der Hol»-und
Papparbeiten und des wahlfreien fremdsprachlichen Unterrichts
(Französisch und Englisch von der dritten Schulklasse ab) in fast
allen deutschen Anstalten, wenn auch zum Teil in geringerer ÄAusdehnung
und unter anderem Namen. Etliche Anstalten bieten besonders
befähigten und bemittelten Zöglingen, die kein Handwerk
erlernen wollen, die Möglichkeit eines weiterführenden wissenschaftlichen
Unterrichts. In keiner Anstalt aber spannt man den Rahmen
zu weit, und nirgends überhört man die Mahnung: Nicht für die
Schule, sondern für das Leben! —
Der Unterrichtserfolg wird wesentlich dadurch gesichert, dafs
für jedes Fach eigenartige zweckmäßige Lehr- und Hilfsmittel zur
Verfügung stehen. Der Wert der Lehrmittel in den Blindenanstalten
Deutschlands beläuft sich wenigstens auf 260 000 M., wobei
die Musikinstrumente und Bücherschätze nur teilweise mitgerechnet
sind. Dennoch dürfen die deutschen Anstalten ebenso wenig wie
fremde sich rühmen, alle erforderlichen Veranschaulichungsmittel zu
besitzen. Das hat seinen Grund in den fast unerschwinglichen Kosten.
25. Der Lese- und Schreibunterricht. Von entscheidender
Bedeutung für die gesamte Schulbildung, insbesondere für die Pflege
der geistigen Bedürfnisse der Blinden, ist die Schrift- und Druckfrage,
deren Stand zunächst auf dem Gebiet des Lese- und Schreibunterrichts
zur Erscheinung kommt. Die aus lateinischen Großbuchstaben
bestehende Linienhochschrift ist durch die Braillesche Punkthochschrift
aus dem Leseunterricht fast ganz verdrängt und wird in
vielen Anstalten überhaupt nicht mehr geübt. Ebensowenig werden
neue Druckwerke in Linienschrift hergestellt. Die großen Vorzüge
der Punktschrift — Raumersparnis, leichtere Lesbarkeit, schnelle
handschriftliche Darstellung — haben ihr auch für das Schreiben den
ersten Platz errungen schon auf der Unterstufe. Zur Herstellung
der Punktschrift wird entweder eine Rillentafel benutzt, zu der ein
mit rechteckigen Ausschnitten versehenes verstellbares Lineal gehört,
oder eine Grübchentafel, die statt der Rillen halbkugelige \Vertiefungen
und statt des Lincals cin die ganze Platte bedeckendes
Gitter aufweist. In jeder Form — Zelle oder Fenster genannt — sind
sechs Punkte möglich +» die sich mittels eines Stahlgriffels in das
auf die Platte gespannte Papier drücken lassen und in ihrer verschiedenen
Anzahl und Lage (1--5) alle Buchstaben, Satzzeichen und
Ziffern bilden, z. B.: -:.. (Amerika), Da die Schrift