Full text : Handwörterbuch der Württembergischen Verwaltung.

40

tung  von  Arzneimitteln  Verwendung  finden  oder
als  solche  dienen,  müssen  den  Anforderungen  des
Arzneibuchs  entsprechen  und  bezüglich  ihrer  Echtheit,
  Güte  und  Reinheit  von  dem  Al.  selbst  geprüft
  sein.  Die  A.  sind  verpflichtet,  jede  Arzneiverordnung
  (Rezept),  welche  von  einer  berechtigten
Medizinalperson  regelrecht  verschrieben  ist,  sofern
nicht  die  Best.  über  die  Sonntagsruhe  eine  Ausnahme
  zulassen,  zu  jeder  Zeit  anzufertigen  und  abzugeben.
  A.  dürfen  mit  Aerzten  oder  solchen  Personen,
  die,  ohne  Aerzte  zu  sein,  das  Heilgewerbe
ausüben,  über  die  Zuwendung  von  Arzneiverordnungen
  weder  Verträge  schließen,  noch  denselben
dafür  bes.  Vorteile  gewähren.  Die  Ausübung  der
Heilkunde  ist  den  A.  untersagt,  ebenso  die  öff.  Ankündigung
  von  Heilmitteln;  zum  Betrieb  von
Nebengeschäften  ist  die  Genehmig.  des  Medkoll.  erforderlich.
  Die  ABesitzer  sind  Kaufleute  i.  S.  des
HGB.;  sie  sind  deshalb  zur  Führung  von  Handelsbüchern
  verpflichtet.  Außerdem  haben  sie  auf  Grund
des  Oberamtsarztges.  und  der  VV.  hiezu  Umsatztagbücher
  zu  führen,  die  dem  Oberamtsarzt  bei
der  Misitation  zur  Einsicht  vorzulegen  sind.  A.
und  ihre  Gehilfen  werden,  wenn  sie  unbefugt
Privatgeheimnisse  offenbaren,  die  ihnen  kraft
ihres  Gewerbes  anvertraut  sind,  nach  §  800  St  G.
bestraft.  Bei  Berechnung  der  Arzneimittel  dürfen
die  Sätze  der  Deutschen  Arzneitaxe  nicht  überschritten
  werden,  Ermäßigungen  derselben  durch
freie  Vereinbarungen  sind  zulässig.  Bei  Arzneilieferungen
  an  öff.  Anstalten  und  Kassen  ist
in  W.  ein  durch  das  Mins.  festgesetzter  Preisnachlaß
  zu  gewähren.  Überschreitungen  der  Taxe
sind  nach  §  148  Z.  8  GewO.  strafbar.  Eine  Beeidigung
  der  A.  findet  in  W.  nicht  mehr  statt.  —
V.  Beaufsichtigung  der  A.  8§  33  der  Ahetriebsordnung
  1.  7.  85  und  Min  V.  vom  gleichen
Tag,  Rgbl.  322,  und  vom  10.  4.  00,  Rgbl.  62.  Die
A.  stehen  unter  der  Aufsicht  des  Oberamts  und
der  diesem  vorgesetzten  Polizeibehörden.  Die  technische
  Aufsicht  wird  vom  Oberamtsarzt  und  vom
Medkoll.  geführt.  Sämtliche  A.  sind  in  der  Regel
alle  vier  Jahre  einer  eingehenden  Visitation  durch
einen  pharmaz.  Sachverständigen  zu  unterstellen.
Die  Visitatoren  werden  alljährlich  vom  Ming.
auf  Antrag  des  Medkoll.  bestellt.  Beim  Uebergang
einer  A.  an  einen  neuen  Besitzer  oder  Pächter
oder  Verwalter  findet  eine  Visitation  durch  den
Oberamtsarzt  statt.  Bei  ungünstigem  Ergebnis
dieser  oder  der  periodischen  Visitationen  können
außerordentliche  Vifitationen  auf  Kosten  des  Besitzers
  usw.  durch  das  Medkoll.  angeordnet  werden.—
VI.  Standesvertretung  der  A.  MinBek.
30.  12.  75,  Rgbl.  1876  5,  und  Min  JV.  6.  5.  08,
Regbl.  101.  Diese  bildet  der  pharmazeut.  Landesverein;
  dessen  Aufgabe  besteht  in  dem  Austausch
gesammelter  Erfahrungen  über  den  Betrieb  des
Gewerbes  unter  den  Mitgliedern,  Wahrung  der
Interessen  f.  d.  öffentl.  Gesundheitspflege,  soweit
letztere  von  der  Pharmazie  berührt  werden,  Wahrung
  und  Vertretung  der  bürgerl.  und  Berufs-Interessen
  der  A.  Dem  Verein  können  alle  im
Berufe  tätigen  approb.  A.,  die  innerhalb  W.  ihren
Wohnsitz  haben,  Angehörige  des  D.  Reiches  sind

Anpprobation.

und  sich  im  Besitz  der  bürgerl.  Ehrenrechte  befinden,
  als  Mitglieder  beitreten.  Die  Vertretung
des  pharm.  Landesvereins  bildet  ein  von  den  Mitgliedern
  in  schriftlicher  Abstimmung  gewählter
Ausschuß,  der  aus  einem  Obmann  und  sechs
weiteren  Mitgliedern  besteht.  Die  Vereinsmitglieder
  eines  jeden  der  vier  Kreise  haben  ein
Mitglied  des  Ausschusses  sowie  einen  Ersatzmann
aus  den  Aesitzern,  APächtern  oder  Verwaltern
von  Vollapotheken  des  Kreises  und  die  Vereinsmitglieder
  des  ganzen  Landes  zusammen  haben
einen  Obmann  und  einen  Stellvertreter  für  denselben
  aus  der  Zahl  sämtlicher  dem  Verein  angehörenden
  ABesitzer  sowie  zwei  Mitglieder  nebst
Ersatzmänner  aus  der  Zahl  der  dem  Verein  angehörenden
  approbierten  Gehilfen  einschl.  der
Verwalter  von  Zweig  A.  je  mit  einfacher  Stimmen-à
mehrheit  zu  wählen.  —  VII.  Militärpflicht
der  A.,  Heerordnung  §  19  und  §  21.  Die  A.  genügen
  ihrer  akt.  Dienstzeit  entweder  a)  ganz
mit  der  Waffe  oder  b)  ein  halbes  Jahr  mit  der
Waffe  und  ein  halbes  Jahr  in  einer  Lazarett  A.
als  einjährig-freiwillige  Militärapotheker.  Zum
Dienst  als  einjährig-freiwillige  Militärapotheker
werden  nur  diejenigen  zugelassen,  welche  die
Approb.  als  A.  erlangt  haben.  Nach  Ablauf  der
Dienstzeit  werden  sie  vom  Korpsgeneralarzt  zum
Unter  A.  und  nach  einer  weiteren  sechswöchigen
Dienstleistung  bei  einem  Garnisonlazarett,  die
gleich  im  Anschluß  an  die  akt.  Dienstzeit  abgelegt
werden  kann,  zum  Ober  A.  im  Beurlaubtenstand
ernannt.  Einjährig-freiwillige  A.  und  Unter  .
stehen  im  Rang  eines  Portepeeunteroffiziers.
Friedel.
Approbation  ist  das  Zeugnis  der  zust.  Beh.
über  die  Befähigung  einer  Person  zur  Ausübung
eines  best.  Gewerbes.  Die  GewO.  gebraucht  den
Ausdruck  A.  nur  bei  Apothekern  und  Aerzten
(Tier  Ae.,  Zahn  Ae.,  Wund  Ae.),  sie  bezeichnet  jedoch
  noch  eine  Reihe  anderer  Gew.-Betr.,  deren
Ausübung  von  dem  Besitz  eines  Prüfungsoder
  Befähigungszeugnisses  abhängig  sein  soll,
bzw.  durch  die  Landesgesetzgebung  abhängig
Fmacht  werden  kann,  s.  Befähigungsnachweis  l.
ie  Erteilung  der  A.  darf  nur  auf  Grund  eines
Nachweises  der  Befähigung  erfolgen.  Dieser  Nachweis
  ist  durch  Prüfungen  zu  erbringen,  über  die
der  Bdrt.  auf  Grund  der  Ermächtigung  in  §  29
Abs.  2  GewO.  bes.  Vorschr.  erlassen  hat,  s.  Apothekenwesen,
  Aerzte,  Tierärzte,  Zahnärzte.  Ausnahmsweise
  Entbindung  von  der  vorgeschr.  Prüfung
  ist  zulässig,  sie  darf  aber  nur  wegen  wissenschaftlich
  erprobter  Leistungen  erteilt  werden.  Vgl.
§  29  Abs.  4  GewO.,  Rchsk  Bek.  9.  12.  69,  BG#l.  687,
Rgbl.  72  279,  auch  SpTar.  Nr.  11  Vbd.  §  14  Z.  2
BVSp#.  18.  11.  11,  Rgbl.  561.  Die  Erteilung  der
A.  geschieht  durch  Ausfertig.  des  AScheins  seitens
d.  Min  J.  Ihre  Erteil.  auf  Zeit  oder  auf  Widerruf
ist  untersagt,  §  40  Abs.  1  GewO.  Zurückgenommen
konn  die  A.  nur  werden,  wenn  die  Unrichtigkeit
der  Nachweise  dargetan  wird,  auf  Grund  deren
sie  erteilt  worden  ist,  oder  wenn  deren  Inhaber
  die  bürgerl.  Ehrenrechte  aberkannt  werden,
letzterenfalls  jedoch  nur  für  die  Dauer  des  Ehr-