den Weltgeistlichen, befinden sich zehn Gemälde
aus der vaterländischen Geschichte.
Dieselben wurden aus Anlass der neuen
Einrichtung des Speisesaales im Jahre 1762
nach Wahl des Staatsrats Thomas vom
Fuldaer Landschaftsmaler Herrlein sen. ausgeführt.
Dargestellt ist:
1. Sturms apostolische Sendung in die
Wüste Buchoniens 744.
2. Stiftung der Fuldaischen Kirche, Carlmanns
Schenkung 744.
3. Errichtung des Fuldaischen Klosters,
Sturmius der erste Abt, Zeichen des Vaterlandes
744.
4. Verliehene Unmittelbarkeit unter dem
römischen Stuhle 751.
5. Der Primat durch Germanien und
Gallien 968.
6. Der Reichsfürstenstand und das vormals
hergebrachte Recht eines gewissen
persönlichen Vorsitzes 1184.
7. Die Reichsfahne 1360.
8. Das Erzkanzleramt bei der Kaiserin.
9, Die Verleihung des Domkapitulischen
Ordenszeichens 1732.
10. Errichtung eines Bistums 1752.
Von diesen Gemälden interessiert uns
am meisten dieReichsfahne vom Jahre 1360,
über welche der Medizinalrat Dr. Joseph
Schneider, in der von ihm herausgegebenen
Zeitschrift Buchonia, Fulda 1820, IV. Band,
Seite 71 ff., folgendes sagt:
Von jeher war das sogenannte Banner,
nach der meisten Meinung eine viereckige
Fahne und von anderen Fahnen, als dem
Kornette, Drapeau, Pennon und Standarte
verschieden. So konnte z. B. ein Pennon
das einen spitzigen Schweif hatte, von jedem
Ritter und Vasallen geführt werden, und es
ward dieses in ein Banner umgeschaffen,
sobald der Ritter ein Bannerherr ward und
den Schweif von der Fahne abgeschnitten
hatte. Indessen sind mehrere Gattungen
von Bannern anzumerken. Hierher gehören:
1. das Reichshaupt-Banner, 2. die St. Georgius-Fahne,
3. die Strassburger Stadt-Fahne, 4. die
Reichssturm-Fahne, 5. das Renn-Banner, 6.
die Blut-Fahne, 7. verschiedene Provinzial-Banner.
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Das Reichshaupt-Pannier oder Reichsbanner
ist immer unter die Reichs-Insignien
gezählt worden und es war im Reichs-Wappen
in der letzten Hälfte des 6. Jahrhunderts
ja auch noch nach geteilter fränkischer
Monarchie mit dem Erzengel Michael,
nachher aber mit einem Adler in einem
goldenen Felde mit ausgespannten Flügeln
schwebend und mit dem Kopfe rechts, gegen
die weisse Spitze einer roten Stange sehend,
bezeichnet. Zu welcher Zeit aber ein zweiköpfiger
Adler in das Reichsbanner gekommen
sei, ist unbekannt.
Des Reichshaupt-Banners bediente man
sich eigentlich nur bei einem Reichskriege
und bei Römerzügen; vielleicht aber auch bei
anderen Reichsfeierlichkeiten, als Königswahlen,
Krönungen u. dgl. In Ansehung
des Krieges liess der Kaiser das Banner
aufwerfen und wehen, und. es mussten
diesem Zeichen zufolge die Fürsten und
Stände des Reichs mit ihrem gerüsteten Zuge
erscheinen, nur verstand es sich von selbst,
dass vorher die Nation von der Gerechtigkeit
der bevorstehenden kriegerischen Auftritte
zu benachrichtigen war, und dann war
wenigstens seit dem 16. Jahrhundert die
Gegenwart des Kaisers erforderlich, wenn
das Reichsbanner wehte, Das Recht aber,
das Reichsbanner zu führen, hing ehemals
blos von des Kaisers oder Königs Willen
ab, sie erteilten es nach Wohlgefallen, woher
es kam, dass, der Geschichte zufolge, Herren
aus verschiedenen Häusern an dieser Ehre
Anteil hatten. Die Publizisten waren demnach
noch nicht mit der Frage einig, wen
dieses Amt in der späteren Zeit zukomme.
Leibnitz meinte, dass es in dem Willen des
Kaisers stehe, wen er damit begnadigen
wolle; Zech, Steur und Gundling eigneten
solches Kursachsen zu und Lazius, Luinaeus,
Höpping, Kulpis, Spener und Schweder
suchten diese Ehre für Württemberg zu
verteidigen. Bei Errichtung der neunten Kurwürde
um das Jahr 1692 kam diese Sache
hauptsächlich zur Sprache. Von Seiten des
Kaisers hatte man diesem neuen Kurhause
zugleich das sogenannte Erzbanner- oder
Erzpannierherramt zugedacht. Allein